Parlamentswahl
Libanon: Hisbollah könnte von Wahl profitieren

Begleitet von gebannten Erwartungen im Ausland und mit hoher Beteiligung ist im Libanon ein neues Parlament gewählt worden. Für Hochspannung sorgte die Frage, ob das sunnitische Lager um den prowestlichen Politiker Saad Hariri seine Mehrheit an das schiitisch dominierte Bündnis der prosyrischen Hisbollah verlieren würde.

HB BEIRUT. Nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend meldete das Innenministerium eine Beteiligung von 52,3 Prozent, knapp sieben Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren.

Das westlich orientierte Bündnis des scheidenden Ministerpräsidenten Fuad Siniora musste nach Einschätzung von Beobachtern um seine Mehrheit fürchten. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass die israelfeindliche Hisbollah die politische Macht übernehmen könnte - dank einem Bündnis mit der Freien Patriotischen Bewegung (CPL) des christlichen Exgenerals Michel Aoun.

Obwohl Aoun selbst Jahrzehnte gegen syrischen Einfluss gekämpft hatte, schloss er sich vor drei Jahren mit der Hisbollah zusammen. Als wahlentscheidend galt, ob der Exgeneral den Großteil der christlichen Wählerschaft hinter sich vereinen konnte. Aussagekräftige Umfragen gab es nicht.

Die beiden Lager führten einen erbitterten Wahlkampf um die 128 Mandate. Im bisherigen Parlament verfügte der westlich orientierte Block über 70 Sitze, das Bündnis um die Hisbollah über 58. Die Hisbollah wird von Syrien und dem Iran unterstützt, die sunnitischen Parteien haben die Rückendeckung der USA und Saudi-Arabiens.

Ihr Spitzenkandidat für das Amt des nächsten Ministerpräsidenten ist Saad Hariri, Sohn von Exregierungschef Rafik Hariri. Nach dessen Ermordung vor vier Jahren konnte das prowestliche Lager zwar die Parlamentsmehrheit erobern, blieb wegen des Machtkampfs mit der Hisbollah aber politisch gelähmt.

Die Demokratie sei ein Segen und zeichne den Libanon aus, erklärte Präsident Michel Suleiman bei seiner Stimmabgabe am frühen Morgen. „Wir müssen sie bewahren.“ Der frühere US-Präsident Jimmy Carter, prominentester der internationalen Wahlbeobachter, mahnte die USA, den Iran und andere Staaten, das Ergebnis zu akzeptieren und sich nicht in den politischen Prozess einzumischen.

Rund 50 000 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz, um die Abstimmung zu sichern. Größere Vorfälle wurden bis zur Schließung der Wahllokale nicht gemeldet.

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