Parlamentswahl
Norwegen wählt: Jens oder Jensen?

Die Qual der Wahl hat in Norwegen zwei Namen: "Jens oder Jensen". Bei den Parlamentswahlen am heutigen Montag müssen die rund 3,5 Mio. Wähler entscheiden, ob sie noch einmal Premier Jens Stoltenberg und seiner rot-rot-grünen Koalitions das Vertrauen aussprechen. Oder Siv Jensen von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei wählen.

STOCKHOLM. Ein politisches Erdbeben steht nicht bevor. Höchstens politisches Chaos: Denn die jüngsten Meinungsumfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Koalition aus Stoltenbergs Sozialdemokraten, der Sozialistischen Linkspartei und grüner Zentrumspartei sowie dem bürgerlichen Block aus Fortschrittspartei, Konservativen, Christdemokraten und Liberalen voraus. "Es ist vollkommen unmöglich, den Wahlausgang vorherzusagen", meint Wahlforscher Anders Todal Jenssen von der Universität in Trondheim.

Von wem Norwegen in den kommenden vier Jahren regiert wird, ist auch deshalb unklar, weil das bürgerliche Lager intern völlig zerstritten ist. Mit der dominierenden bürgerlichen Kraft, der rechtspopulistischen Fortschrittspartei, wollen nur die Konservativen zusammenarbeiten. Liberale und Christdemokraten lehnen eine Koalition strikt ab. Die Partei von Jensen ist mit Forderungen nach einer schärferen Einwanderungspolitik, aber auch Steuersenkungen und einem tieferen Griff in die prall gefüllten Kassen des Ölfonds zur zweitgrößten politischen Kraft in Norwegen nach dem Sozialdemokraten aufgestiegen. Fast jeder vierte Wähler will der Partei die Stimme geben.

Jensens Erfolg baut auf dem Unmut vieler Norweger auf, dass eines der reichsten Länder der Welt weiterhin große Defizite im Bildungs- und Pflegebereich hat: Schulen verfallen und Patienten müssen monatelang auf Operationen warten. Auch das teilweise marode Straßennetz löst Unverständnis aus, schwimmt doch Norwegen wegen seiner enormen Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung in Geld.

Dieses Geld fließt aber in den Pensionsfonds, der mit einem Kapital von rund 300 Mrd. Euro einer der größten weltweit ist. Mit den Mitteln sollen die Renten auch nach Versiegen der Öl- und Gasquellen finanziert werden.

Obwohl Norwegen relativ unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen ist, hat Stoltenbergs Koalition mehr Geld aus dem Pensionsfonds genommen als ursprünglich vereinbart worden war: Im diesem Jahr werden sieben statt vier Prozent der Überschüsse in den Haushalt fließen. Doch selbst das ist vielen Norwegern nicht genug: "Es ist egal, was die Regierung macht, das Verlangen nach noch mehr Öl-Geld ist immer größer", sagt Bernt Aardal, Politologe an der Universität in Oslo.

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