Parlamentswahl
Quo vadis, Italia?

Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Italien hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch einmal zum Rundumschlag ausgeholt.

MAILAND/FRANKFURT. Bei einem Sieg des Mitte-links-Bündnisses von Herausforderer Romano Prodi sei „unsere Freiheit in Gefahr“, sagte Berlusconi am Donnerstag. Auch die Justiz bekam ihr Fett weg. Mit Blick auf einen neuen Prozess, der ihm wegen Bestechung droht, sagte Berlusconi in Rom: „Es handelt sich um einen wiederholten Fall von politischem Missbrauch der Justiz, mit dem nur die italienische Regierung destabilisiert und angegriffen werden soll.“

Die verbalen Attacken zeugen von der Nervosität des Regierungschefs. Denn in den letzten zugelassenen Umfragen vom 24. März lag Prodis Mitte-links-Bündnis durchschnittlich fünf Prozentpunkte vor Berlusconis Koalition „Haus der Freiheiten“ (Casa delle libertà). In den Onlinewetten hat Prodi dagegen schon gewonnen.

Bei Buchmachern nur Außenseiterchance

So wird Berlusconi bei den Londoner Buchmachern nur eine Außenseiterchance von 20 Prozent eingeräumt. Diese Wettbörsen gelten bei Wirtschaftswissenschaftlern als durchaus zuverlässige Vorhersagen. „Wahlbörsen sind bei nationalen Wahlen ein sehr guter Indikator“, erklärt Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce an der Universität Frankfurt und Fachmann für virtuelle Börsen, „die Kurse und Quoten Berlusconis, die über alle Wettanbieter und Börsen hinweg ähnlich schlecht sind, deuten darauf hin, dass er am Wochenende ein Fiasko erleben wird.“

Dennoch gilt ein Wahlsieg von Prodi in Italien noch nicht als sicher. Vor allem mit seinem überraschenden Versprechen am Ende des Fernsehduells vom vergangenen Montag, die unbeliebte Eigenheimsteuer Ici abzuschaffen, könnte Berlusconi noch Wähler gewinnen. Entscheidend werden die Unentschlossenen sein, die in den letzten Umfragen immerhin 15 Prozent ausmachten. Wahlforscher wie Renato Mannheimer wollen daher einen Sieg des Premiers oder ein Patt nicht ausschließen. Sowohl Prodi als auch der Vize- Premier Gianfranco Fini von der Rechtspartei Alleanza Nazionale haben bereits Neuwahlen im Falle eines Unentschieden gefordert.

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