Peking wird als Kreditgeber wichtiger – Die traditionellen Gläubigerstaaten sehen ihren Einfluss schwinden
Pariser Club nimmt Dialog mit China auf

Der Pariser Club bietet Peking einen Meinungs- und Datenaustausch an. In dem Entwurf eines Schreibens an Chinas Finanzminister Jin Renqing, das dem Handelsblatt vorliegt, drückt der Vorsitzende des Pariser Clubs, der französische Botschafter Jean-Pierre Jouyet, den Wunsch aus, mit China Ansichten über Schuldenprobleme auszutauschen und zu gemeinsamen Positionen zu gelangen.

HB DÜSSELDORF/PEKING. Ein solcher Dialog könnte langfristig zu einer Mitgliedschaft der wirtschaftlich aufstrebenden Volksrepublik in den illustren Club der Gläubigerstaaten führen. Peking nimmt bereits als Gast an Treffen der großen Industriestaaten und Russland (G8) teil und tritt vor allem gegenüber Entwicklungsländern als Kreditgeber auf.

Der Brief soll Peking noch vor dem Gipfel der G8-Staaten im schottischen Gleneagles Anfang Juli zugeleitet werden. „Es ist ganz normal, dass wir einen Dialog mit großen Kreditgebern entwickeln wollen, die noch nicht zum Pariser Club gehören“, sagte Botschafter Jouyet dem Handelsblatt. Die 19 ständigen Mitglieder des Clubs, zu denen Deutschland gehört, versuchen koordinierte Lösungen bei Zahlungsschwierigkeiten von Schuldnerländern zu finden.

Wie aus diplomatischen Kreisen in Peking verlautet, sollen einzelne Gläubigerländer den Club aufgefordert haben, China wegen seiner wachsenden Rolle auf den internationalen Finanzmärkten stärker einzubeziehen. Ihnen geht es in dieser Phase hauptsächlich um mehr Transparenz bei Chinas Kreditvergabeverhalten.

Auf Grund seiner Devisenstärke kann die Volksrepublik die Politik anderer Geber unterlaufen. Das wollen die im Pariser Club informell zusammen geschlossenen Gläubigerstaaten verhindern. „Das ist ein heikles Thema für Peking“, sagt ein deutscher Experte. China ist nach Ansicht von Experten dafür bekannt, vor allem Staaten mit schlechter Zahlungsmoral mit Krediten zu bedienen, die der Pariser Club oder der IWF gerne an die kurze Leine legen möchte. Genannt werden Angola, Argentinien oder der Sudan. Dabei handelt es sich in der Regel um Länder mit Ressourcen wie Öl oder Rohstoffe, an denen China besonders interessiert ist. „China kann auf Grund seiner Devisenreserven den Fonds glatt unterlaufen“, sagt ein Experte. „Wir wollen Peking besser in das internationale Schuldenmanagement einbinden.“ Dieses Problem treibt auch den Club um: Durch die chinesischen Kredite seien die Druckmittel des Clubs erheblich geschwächt, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Auf der Empfängerliste Chinas stehen etliche hoch verschuldete Staaten Afrikas und Lateinamerikas. „Wir würden gerne über eine Vergleichbarkeit bei der Behandlung der Schuldner mit Peking reden“, verlautet aus Paris.

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