Pentagon räumt Übertritte in Guantanamo ein
USA: Missachtung des Korans sind Einzelfälle

Nach Informationen des Pentagons über die Missachtung des Korans im Gefangenenlager Guantanamo gerät Präsident George W. Bush in der öffentlichen Meinung in die Defensive. Nun wurde eingeräumt, dass es doch zu einzelnen Missachtungen religiöser Überzeugungen von Muslimen gekommen ist. Der einflussreiche Senator Joseph Biden von den oppositionellen Demokraten forderte gestern die Schließung des Lagers.

HB WASHINGTON. Die US-Regierung bezeichnete die Fälle von Koran-Entweihungen durch US-Soldaten als die Taten Einzelner. Zudem warf Regierungssprecher Scott McClellan den Medien vor, die Vorfälle aufgebläht zu haben: „Es ist bedauernswert, dass einige beschlossen haben, einige wenige isolierte Vorfälle von einigen wenigen Einzelpersonen aus dem Zusammenhang zu nehmen, ohne die Politik und Vorgehensweisen der großen Mehrheit, der 99,9 Prozent unserer Militärs angehören, zu verdeutlichen“. Es habe dreimal so viele bestätigte Fälle von Koran-Entweihungen von Seiten der Inhaftierten als durch US-Militärs gegeben.

Eine von Guantanamo-Kommandeur Brigadegeneral Jay Hood veranlasste Untersuchung habe ergeben, dass ein Soldat absichtlich gegen die Koran-Ausgabe im Besitz eines Gefangenen trat. In einem anderen Fall wurde ein Gefangener und sein Koran mit dem Urin eines Aufsehers beschmutzt. Mehrere Buchausgaben des Korans wurden nass, weil ein Aufseher mit Wasser gefüllte Luftballons in eine Zelle warf.

In dem inzwischen nach starkem Druck der US-Regierung zurückgezogenen „Newsweek“-Bericht hatte es geheißen, dass in Guantanamo eine Ausgabe des Korans in einer Toilette heruntergespült worden sei. Daraufhin kam es vor allem in Afghanistan über mehrere Tage hinweg zu schweren antiamerikanischen Unruhen, bei denen mindestens 15 Menschen getötet wurden. Die US-Regierung machte den „Newsweek“-Bericht dafür verantwortlich und beschuldigte die Medien, dem Ansehen der USA Schaden zugefügt zu haben.

Joe Lockhart, ehemaliger Pressesprecher von US-Präsident Bill Clinton, erklärte, dass das Weiße Haus dazu neige, auch dann einen Pressebericht in seiner Gesamtheit zurückzuweisen, wenn darin nur ein einzelner sachlicher Fehler enthalten sei. Jetzt aber hätten sie zugeben müssen, dass die in dem Bericht geschilderten Missstände in der Gesamttendenz zutreffend dargestellt worden seien. Auf diese Weise fühle sich die Öffentlichkeit in die Irre geführt.

Das US-Militär hält auf Guantanamo 550 Männer unter Terrorverdacht fest. Die meisten wurden in Afghanistan und im Irak festgenommen und werden unter weltweitem Protest ohne Anklage festgehalten.

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