Pläne der Terroristen vereitelt
Größere Katastrophe in Brüssel nur knapp verhindert

Die Brüsseler Anschlagsserie war anscheinend größer angelegt als bisher gedacht: Bei einem Polizeieinsatz sind mehrere Männer festgenommen worden. Die Kritik an den Behörden in Belgien und Frankreich wird immer lauter.

BrüsselDie Brüsseler Terrorserie mit Hunderten Opfern war möglicherweise noch verheerender angelegt als bislang bekannt. Nach unbestätigten Medienberichten wollten drei weitere Täter nach dem Vorbild der Pariser November-Anschläge auch mit Sturmgewehren um sich schießen. Zwei mutmaßliche Terroristen sollen weiter flüchtig sein. Polizei-Großaufgebote kontrollierten Züge, Flughäfen und Grenzen.

Wie die öffentlichen Sender VRT und RTBF berichteten, wollten der inzwischen inhaftierte Terrorverdächtige Salah Abdeslam, der vergangene Woche bei einer Polizeirazzia erschossene Mohamed Belkaid sowie ein dritter Mann mit Sturmgewehren ein noch größeres Blutbad anrichten. Abdeslam wird vorgeworfen, schon die Pariser Anschlagsserie maßgeblich vorbereitet zu haben, bei der Killer unter anderem in Restaurants und einer Konzerthalle um sich geschossen hatten. Insgesamt wurden damals 130 Menschen getötet.

Einem Medienbericht zufolge wurde nun bekannt, dass Salah Abdeslam zwischen seiner Festnahme und den vier Tage später folgenden Anschlägen in Brüssel nur einmal verhört worden war. Sven Mary, der Rechtsbeistand des 26-jährigen Franzosen, habe dies am Donnerstag bestätigt, berichtete das Nachrichtenportal „Politico“. Laut zwei Quellen aus Ermittlungskreisen gab es demnach gesundheitliche Gründe dafür, dass die Vernehmung nur etwa eine Stunde dauerte. So habe Abdeslam, der bei seiner Festnahme am Freitag leicht am Bein verletzt und anschließend operiert worden war, während des Verhörs in seinem Gefängnis in Brügge „sehr müde gewirkt“.

Das Verhör am Samstag habe keinerlei Hinweise auf die bevorstehenden Anschläge in Brüssel ergeben, sagten beide Informanten dem Bericht zufolge. Das habe vermutlich daran gelegen, dass die Ermittler bei der Befragung chronologisch vorgegangen seien und Abdeslam zunächst nur zu den Pariser Anschlägen vom 13. November vernommen hätten.

Den belgischen Behörden werden schwere Ermittlungspannen vorgeworfen, doch auch der französische Staatsanwalt François Molins sieht sich Anschuldigungen ausgesetzt. So beschwerte sich nicht nur Abdeslams Anwalt darüber, dass Molins unerlaubterweise Details aus den Vernehmungen ausgeplaudert habe. „Politico“ berichtete auch über Kritik aus belgischen Ermittlerkreisen: „Wir hätten mehr Zeit gehabt (zur Vermeidung der Brüsseler Anschläge), wenn die Franzosen das nicht an die Presse weitergegeben hätten.“

In Brüssel wurden am Dienstag bei Explosionen am Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek mindestens 31 Menschen getötet und rund 300 verletzt. Der Attentäter in der Metro, Khalid El Bakraoui, war dabei offenkundig nicht allein, wie belgische und französische Medien berichteten. Bilder einer Überwachungskamera zeigten demnach einen zweiten Mann mit einer großen Tasche. Es sei wenig wahrscheinlich, dass dieser Mann bei der Explosion getötet wurde.

Zudem fahndet die Polizei weiter nach einem Komplizen der Attentäter, der vom Flughafen Brüssel geflüchtet sein soll. Somit könnte das Terrorkommando aus mindestens fünf Tätern bestanden haben. Drei sprengten sich in die Luft.

Alle drei Selbstmordattentäter sind belgische Staatsbürger und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris. Es handelt sich um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui sowie Medienberichten zufolge um den 24-jährigen Najim Laachraoui. Letzterer war wegen der Anschläge von Paris erst vor kurzem zur Fahndung ausgeschrieben worden. Khalid El Bakraoui wurde seit Dezember per Haftbefehl gesucht, weil er für die Pariser Attentäter unter falschem Namen eine Wohnung gemietet haben soll.

Ibrahim El Bakraoui wurde am 14. Juli 2015 von der Türkei ausgewiesen und per Flugzeug nach Amsterdam gebracht, wie der niederländische Justizminister Ard van der Steur am Donnerstagabend mitteilte. Da er zu diesem Zeitpunkt nicht in den Datenbanken der niederländischen und internationalen Ermittler registriert gewesen sei, habe es keinen Grund gegeben, ihn festzunehmen.

El Bakraoui war 2010 in Belgien zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden und vorzeitig freigekommen - offenbar trotz negativer Beurteilung der Gefängnisdirektion. Im Juni 2015 wurde er an der türkisch-syrischen Grenze aufgegriffen und danach ausgewiesen. Laut Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die Türkei damals davor, dass es sich bei ihm um einen „terroristischen Kämpfer“ handele. Die belgischen Behörden ließen ihn dennoch auf freiem Fuß.

Zudem haben US-Sicherheitsbehörden die beiden Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui laut einem Medienbericht vor den Anschlägen als potenzielle Terroristen in einer Datenbank geführt. Sie seien den Behörden bekannt gewesen, berichtete der Sender NBC am Donnerstag unter Berufung auf zwei Personen aus Sicherheitskreisen. Um welche der US-Terrordatenbanken es sich handelte, wollten sie demnach nicht sagen.

Seite 1:

Größere Katastrophe in Brüssel nur knapp verhindert

Seite 2:

Identitäten der Opfer noch unklar

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%