Pläne der US-Militärführung
Womöglich bald 100 000 US-Soldaten weniger im Irak

Die US-Armee erwägt nach Presseinformationen den Abzug von 100 000 der insgesamt mehr als 150 000 Soldaten im Irak. Bei Selbstmordattentaten und Gefechten sind im Irak derweil mindestens 29 Menschen getötet worden. Fast 150 Personen wurden am Wochenende verletzt.

HB WASHINGTON/BAGDAD. Statt eines vollständigen Truppenabzugs solle ein kleineres Truppenkontingent langfristig im Irak stationiert bleiben, berichtete die „Washington Post“ am Sonntag unter Berufung auf mehrere hochrangige US-Militärs. Der Teilabzug solle bis Ende 2008 oder spätestens Anfang 2009 abgeschlossen sein. Ein Leitprinzip sei, dass der Abzug auf intelligentere Weise stattfinden solle als der Beginn des Krieges.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Präsident George W. Bush habe aber klar gemacht, dass er an irgendeiner Stelle die Truppen von der vordersten Kampflinie zurückziehen wolle, wie es die unabhängige Baker-Kommission vorgeschlagen haben, sagte Snow in einer Talk-Show des US-Fernsehsenders CBS. Der neue Sicherheitsplan habe bereits zu einem beträchtlichen Rückgang der Gewalt zwischen den Religionsgruppen im Irak geführt.

Wie die „Washington Post“ weiter berichtete, sollen nach dem Teilabzug im Irak langfristig rund 20 000 Mann einer Schützendivision zurückbleiben. Diese US-Soldaten sollen die irakische Regierung schützen und in Kämpfe eingreifen, wenn irakische Einheiten in Schwierigkeiten geraten. Weitere 10 000 Angehörige der US- Streitkräfte sollen irakische Einheiten und Polizisten ausbilden. Für Logistik und Versorgung bleiben 10 000 weitere Soldaten sowie zusätzlich noch Zivilangestellte zurück.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte in den vergangenen Tagen bereits zu verstehen gegeben, dass er an eine längere Truppenpräsenz im Irak statt an einen vollständigen Abzug denke. Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, hat ein langfristiges Engagement im Irak mit der fünf Jahrzehnte langen Truppenstationierung in Südkorea verglichen.

Nach Kriegsbeginn im März 2003 ging die US-Armee ursprünglich davon aus, dass im Herbst desselben Jahres nur noch 30 000 Mann im Irak stationiert bleiben. Angesichts von Chaos, Gewalt und blutigen Anschlägen kündigte US-Präsident George W. Bush Anfang dieses Jahres eine Truppenverstärkung um 27 000 Mann an. Die US-Truppenstärke wird dann nach Eintreffen der letzten Einheiten im Irak Mitte Juni über 150 000 Mann liegen.

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