Plagiatsaffäre
Ungarns Präsident ist seinen Doktortitel los

Staatspräsident Pál Schmitt hat seine Doktorarbeit nachweislich zum Großteil abgeschrieben. Dafür erkannte der Senat der Universität ihm nun seinen Titel ab. Auch sein Rücktritt wird bereits gefordert.
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BudapestDer Senat der Budapester Semmelweis-Universität hat dem ungarischen Staatspräsidenten Pal Schmitt nach erwiesenen Plagiatsvorwürfen den Doktortitel aberkannt. 33 Mitglieder des Gremiums stimmten am Donnerstag für, vier gegen die Maßnahme. Zuvor hatte sich die Prüfkommission der SOTE mit 16:2 Stimmen für die Aberkennung des Doktortitels ausgesprochen.

Zwei Tage zuvor hatte eine Untersuchungskommission der Universität festgestellt, dass Schmitt weite Teile seiner Dissertation aus dem Jahr 1992 von anderen Autoren abgeschrieben hatte. Zugleich hatte die Kommission Schmitt von eigenem Verschulden freigesprochen, weil die Universität die Arbeit nicht hätte zulassen dürfen.

Die dem rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban nahestehende Tageszeitung „Magyar Nemzet“ forderte Schmitt außerdem am Donnerstag auf, seine bisherige Haltung, im Amt verbleiben zu wollen, zu überdenken. Das Blatt legte ihm nahe, den Rücktritt zu erklären. Schmitt könne zwar gegen die „nicht nachlassenden Angriffe“ ankämpfen, doch sei „dieser Kampf nicht zu gewinnen“.

„Die Beschädigung des Amtes und die Erosion des Glaubens an die Sauberkeit des öffentlichen Lebens sind so nicht aufzuhalten“, heißt es in dem redaktionellen Leitartikel. Der rechts-konservative Politiker befand sich am Donnerstagabend noch auf der Rückreise von einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Tags zuvor hatte er erklärt, er denke nicht an einen Rücktritt.

Orban hat sich seit dem Bekanntwerden des Gutachtens nicht zu der Affäre geäußert. Nach der Eröffnung eines Mercedes-Werkes in der südungarischen Kleinstadt Kecskemet wich er entsprechenden Journalistenfragen am Donnerstagnachmittag aus.

Zuletzt hatten Plagiate deutscher Politiker für Aufsehen gesorgt. 2011 trat Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zurück, nachdem aufgeflogen war, dass zahlreiche Passagen in seiner Doktorarbeit nicht aus seiner Feder stammen.

 

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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