Polizei beendet Geiselnahmen
Frankreich erwacht aus einem Alptraum

Mehr als zwei Tage haben drei Attentäter Frankreich in Atem gehalten. Doch das Land lässt sich nicht auf die Provokation des Terrors ein. Hollande und die Franzosen verzichten auf Hysterie und aggressive Reaktionen.
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ParisDas unglaubliche Drama, bei dem drei Terroristen über drei Tage hinweg Tausende Polizisten mobilisiert haben, ist beendet worden, die Täter sind tot. Bevor der Attentäter in Paris getötet werden konnte, hat er noch vier Geiseln ermordet. Eins haben die Terroristen mit ihrer Aktion erreicht: Sie waren nur zu dritt, wenn man von den Unterstützern absieht, und konnten dennoch nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa fast 60 Stunden lang in Atem halten.

Doch ihr größeres politisches Ziel, die französische Gesellschaft zu destabilisieren, eine Welle von Hass auf die Muslime auszulösen, haben sie nicht erreicht. Viele Medien außerhalb von Frankreich reden von einem Land im Ausnahmezustand. Das trifft jedoch nur für die äußeren Faktoren zu. Der Staat hat die höchste Stufe des Anti-Terrorplanes ausgelöst. Auch der Präsident hat sich häufiger denn je an die Nation gewandt, erneut am Freitagabend.

Dabei traf er übrigens genau den richtigen Ton, ist nicht in Alarmismus verfallen, hat keine martialischen Reden gehalten und auch nicht ansatzweise versucht, aus der Lage politisches Kapital zu schlagen. Seine Landsleute hat er darauf vorbereitet, dass die Gefahr nicht vorbei ist: „Frankreich ist weiterhin ein Ziel der Terroristen“. Gleichzeitig hat er sie aufgefordert, jede Form von Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen – und klarzumachen, dass die Terroristen nichts mit dem Islam zu tun haben. Für einmal muss man sagen: Chapeau, Hollande!

Frankreich ist kein Land in Hysterie, es gibt keine Paranoia. Mit beeindruckender Gelassenheit reagieren die Pariser auf die Ereignisse in ihrer Stadt. Als die Geiselnahme im Supermarkt an der Porte de Vincennes im Osten der Hauptstadt lief, kam in der Métro lediglich die lakonische Durchsage: „Auf Bitte des Polizeipräfekten halten die Züge der Linie 1 nicht an der Station Porte de Vincennes“. Panik sieht anders aus.

Sicher, nicht alle haben so cool reagiert. Es gibt Ausgeflippte und Trittbrettfahrer. In den vergangenen Tagen gab es Angriffe auf Moscheen, und nach dem Ende der Geiselnahme hagelte es Drohanrufe bei der Polizei, offenbar von Sympathisanten der Terroristen, die zumindest verbal den Tod ihrer kriminellen Idole rächen wollen.

Dennoch ist Frankreich während dieses langen Dramas ein Land geblieben, das nicht überreagiert. Unsere Nachbarn haben eine politische Kultur bewiesen, die man nur bewundern kann. Das höchste Maß an Erregung habe ich am Freitag in einem Café erlebt, als ein Franzose sagte: „Also so etwas hat es in Frankreich ja wirklich noch nie gegeben.“ Der Mann verdient den Nobelpreis für Understatement.

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Beängstigende Gelassenheit

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