Polonium-Spuren in Hamburg
Sonderkommission „Dritter Mann“ ermittelt

Nach dem Giftmord an dem Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko ist die Rolle von Dmitri Kowtun weiter unklar. Der Kontaktmann hatte eine Polonium-Spur quer durch Hamburg hinterlassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erhöhte indes den Druck auf Moskau.

HB HAMBURG/ LONDON. Am Wochenende waren in Hamburg und im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein Spuren des radioaktiven Stoffes Polonium 210 an mehreren Orten nachgewiesen worden, an denen sich Kowtun aufgehalten hatte. Ob Kowtun den Mord an Litwinenko begangen hat oder an der Tat beteiligt war, müsste mit den britischen Behörden geklärt werden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Köhnke am Sonntag in Hamburg. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen Kowtun ein Verfahren wegen des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen und wegen des Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen ein. Kowtun hatte sich am 1. November mit Litwinenko im Londoner „Millenium“ Hotel getroffen. An diesem Tag war Litwinenko in London vermutlich mit der hochgiftigen Substanz vergiftet worden und drei Wochen später gestorben.

Experten der Sonderkommission „Dritter Mann“hatten am Wochenende das Haus im Hamburger Stadtteil Ottensen untersucht, in dem Kowtun sowie seine Ex-Frau eine Wohnung haben, und dabei auf dem Sofa der Ex-Frau Strahlenspuren gefunden. Kowtun hatte dort in der Nacht zum 1. November übernachtet und war am Morgen nach London geflogen, um Litwinenko zu treffen. Der 41- Jährige sowie ein dritter Mann bei dem Treffen, der Ex-Spion Andrej Lugowoj, leiden inzwischen an Strahlenkrankheit und liegen nach russischen Medienberichten in Moskau im Krankenhaus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie vertraue zur Klärung des Falls auf die Kooperation zwischen den britischen und russischen Behörden. „Ich hoffe, dass das Ganze aufgeklärt werden kann“, sagte Merkel in der ARD-Sendung „Beckmann“. Die Bürger in Deutschland müssten sich wegen der in Hamburg nachgewiesenen Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 keine Sorgen machen, da Polonium keine weite Strahlungswirkung habe.

Die Kanzlerin zeigte sich zudem besorgt über die Aufsehen erregende Häufung russischer Todesfälle gezeigt. „Es gibt eine ganze Serie von Zwischenfällen. Das ist kein gutes Zeichen, das muss sich ändern. Sie habe intensiv mit Russlands Staatspräsident Waldimir Putin über den Fall der im Oktober ermordeten russischen Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja gesprochen. Putin habe ihr Aufklärung zugesichert, viele Fälle blieben aber leider ungeklärt, sagte Merkel.

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