Präsidentschaftswahl
Ex-Manager regiert Südkorea

Die Südkoreaner haben einen konservativen und wirtschaftsnahen Kandidaten mit großer Mehrheit zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der Kandidat der Großen Nationalpartei (GNP) kam frühen Hochrechnungen zufolge auf über die Hälfte der Stimmen und steuert damit auf eine fünfjährige Amtszeit als Südkoreas Staatsoberhaupt zu.

SEOUL. Die Südkoreaner haben den konservativen und wirtschaftsnahen Politiker Lee Myung-Bak zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der Kandidat der Großen Nationalpartei (GNP) erklärte sich zum Sieger, nachdem er rund die Hälfte der Stimmen erhalten hatte. Er steuert nun auf eine fünfjährige Amtszeit als Staatschef zu. Er wolle allen Südkoreanern bescheiden dienen und sich für die Ankurbelung der Wirtschaft einsetzen, sagte Lee. Unklar ist, ob Vorwürfe von Betrug und Insiderhandel seinen Aufstieg noch gefährden können. Die Wähler haben die Berichte über unsaubere Praktiken des Geschäftsmanns bei der Abstimmung ignoriert.

Der Präsident hat in Südkorea eine starke Stellung und dominiert das politische Geschehen. Es gibt zwar auch einen Premier, doch setzt dieser als Leiter der Ministerriege nur die Vorgaben des Staatschefs um. In den vergangenen zehn Jahren hatten linksorientierte Präsidenten das Land regiert. Lee positioniert sich dagegen eher etwas rechts von der Mitte.

Die Koreaner wünschen sich offenbar eine Rückkehr zu klarer Führung und hohem Wirtschaftswachstum: „Die Bürger empfinden die wirtschaftliche Entwicklung subjektiv derzeit als relativ schlecht“, sagte Politologe Shin Du-Chel vom Korean Civic Education Institute for Democracy. „Sie wünschen sich jemanden, der Tatkraft zeigt. Auch viele jüngere Menschen, die sich von Arbeitslosigkeit bedroht fühlen, haben für Lee Myung-Bak gestimmt.“ Der künftige Präsident gelte als glaubwürdig, weil es sich als Chef eines Teils der Hyundai-Firmengruppe bewährt habe. Danach hat er im Immobiliengeschäft ein Vermögen verdient. Hauptkonkurrent Chung Dong-Young von der Vereinigten Neuen Demokratischen Partei, der seine Niederlage einräumte, habe dagegen kaum Wirtschaftserfahrung.

Lee verspricht eine Reihe von deutlichen Brüchen mit der eher ausgleichenden Politik seines Vorgängers Roo Moo-Hyun. So will er Nordkorea gegenüber härter auftreten und mehr mit Zuckerbrot und Peitsche arbeiten: Für wirtschaftliche Zusammenarbeit fordert er ein klares politisches Entgegenkommen des Nordens. Dem Politologen Shin zufolge ist jedoch in der Praxis keine echte Gefährdung des laufenden Dialogs zu erwarten – Lee kenne den Wert der Annäherungspolitik.

Im Inland will Lee einen radikal wirtschaftsfreundlichen Kurs fahren. Die Steuern und Sozialabgaben sollen niedrig bleiben. Großprojekte wie der Bau eines Kanals sollen die Infrastruktur verbessern und die Bauindustrie ankurbeln. Seine wirtschaftspolitischen Ziele hat Lee in die Formel „747“ gepresst: Sieben Prozent Wachstum, ein Pro-Kopf-Einkommen von 40 000 Dollar im Jahr, siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Von allen drei Kennziffern ist Korea aber weit entfernt, Ökonomen tun diese Ziele als unrealistisch ab – wie auch das Kanalprojekt, das praktisch nur Nachteile hat.

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