Präsidentschaftswahl in Frankreich
Jospins Rückzug hilft Ségolène Royal

Im Rennen um die Spitzenkandidatur für die französische Präsidentschaftswahl ist der erste prominente Sozialist auf der Strecke geblieben: Der frühere Premierminister Lionel Jospin gab auf und beendete damit wochenlange Spekulationen über seine politischen Ambitionen.

PARIS. Jospin begründete seine Entscheidung damit, dass seine Kandidatur in der Parti Socialiste (PS) nicht genügend Rückhalt finde. „Ich kann die Partei nicht einigen, und ich will sie nicht spalten“, sagte Jospin am gestrigen Donnerstag. Die Aussicht auf eine Bewerbung Jospins um das höchste Staatsamt hatte weder an der Spitze noch an der Basis der PS sonderlich viel Begeisterung ausgelöst. Ein wichtiger Grund dafür dürfte die verheerende Niederlage Jospins bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2002 sein.

Von Jospins Rückzug profitiert vor allem seine Konkurrentin Ségolène Royal. Die mit Abstand populärste Politikerin Frankreichs hat nun eine realistische Chance, von ihrer Partei zur Spitzenkandidatin für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr gekürt zu werden. Derzeit steht Royal in der eigenen Partei nur noch ein ernst zu nehmender Wettbewerber gegenüber: Dominique Strauss-Kahn hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er ebenfalls kandidieren will.

Der ehemalige Finanzminister liegt in den Meinungsumfragen zwar immer noch weit hinter Royal, doch konnte er seine Popularitätswerte zuletzt deutlich verbessern. Dem ehemaligen Premierminister Laurent Fabius, der ebenfalls kandidieren will, ist dies bislang nicht gelungen. Noch schlechter steht der frühere Erziehungsminister Jack Lang da. Er gilt in der PS mittlerweile als vollkommen chancenlos.

Die Entscheidung über den sozialistischen Spitzenkandidaten treffen die Parteimitglieder Mitte November in einer Urwahl. Die Bewerbungsfrist dafür endet am kommenden Mittwoch, einem mit Spannung erwarteten Datum. Denn es besteht die – wenn auch wenig wahrscheinliche – Möglichkeit, dass sich bis dahin ein weiterer Bewerber meldet: Parteichef Francois Hollande.

Der PS-Vorsitzende schloss eine Kandidatur nie aus, knüpft sie allerdings an eine kaum erfüllbare Bedingung: Hollande will nur dann antreten, wenn sich die Partei geschlossen hinter ihn stellt. Dies würde voraussetzen, dass alle anderen Kandidaten – auch seine Lebensgefährtin Royal – zu seinen Gunsten aufgeben. Bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass dieser Fall eintreten könnte, zumal die so genannten „Elefanten“ der Partei heillos zerstritten sind.

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