Präsidentschaftswahl in Österreich
Biegt die Alpenrepublik nach rechts ab?

Mit der Wahl des Präsidenten steht das Alpenland vor einer Richtungswahl. Rechtspopulist Norbert Hofer ist am Sonntag als Favorit in das Rennen um das Staatsamt gegangen. Kritiker fürchten eine Spaltung der Gesellschaft.

WienIm goldenen Abendlicht schwenken die vielen Anhänger von Norbert Hofer wild die Österreich-Fahnen. Als der Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ für das Amt des Bundespräsidenten mit sanfter Stimme schließlich die Menge fragte „Wollt Ihr mit mir diesen Weg in die Hofburg gehen?“, ist die Zustimmung lautstark. „Ich möchte euch positiv überraschen“, versprach der gelernte Flugzeugtechniker, sollte er an diesem Sonntag das Wettrennen um das höchste Staatsamt gewinnen.  Die „John-Otti-Band“ intonierte zum Mitsingen die FPÖ-Hymne „Immer wieder Österreich“.

Für seine Abschlusskundgebung hatten die Rechtspopulisten gezielt das Wiener Immigrantenviertel Favoriten gewählt, ein sozialer Brennpunkt der österreichischen Hauptstadt. Gerade in den sozialschwachen Vierteln mit vielen Migranten ist die treueste Anhängerschaft der Rechtspopulisten zu Hause, die mit den beiden alten Volksparteien SPÖ und ÖVP längst nichts mehr am Hut hat.

Die wachsende Politikverdrossenheit in Österreich könnte erstmals einem Rechtspopulisten den Sprung in die Hofburg, Amtssitz des Bundespräsidenten, verschaffen. Das wäre ein Novum in Westeuropa. Norbert Hofer geht als Favorit in die Wahl des Bundespräsidenten am Sonntag.  Mit 35,1 Prozent oder 1,5 Millionen Stimmen holte er den klaren Sieg im ersten Durchgang vor vier Wochen. Sein Herausforderer, der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, hatte im ersten Wahlgang deutlich weniger Stimmen – nämlich 913 000. Das entspricht einem Anteil von 21,3 Prozent.

Der östlich von Wien im Burgenland lebende Hofer hat es in seinem Wahlkampf geschickt verstanden, sich zum Fürsprecher der einfachen Leute und der Zukurzgekommenen zu machen. Seinen Gegenkandidaten Van der Bellen verspottete er als Mann der österreichischen Schickeria. Hofer ist ein glänzender Polemiker, der sein Gegenüber leicht aus der Fassung bringen konnte. Das zeigte der Chefideologe der ehemaligen Haider-Partei immer wieder in Fernsehduellen. Ein Schlagabtausch ohne Moderator im österreichischen Privatsender ATV entwickelte sich zur Schlammschlacht.

Kritiker fürchten hinter vorgehaltener Hand eine Spaltung der Gesellschaft, sollte Hofer siegreich aus der Wahl zum Bundespräsidenten hervorgehen.  In der katholischen Kirche polarisiert er. Der umstrittene Salzburger Weihbischof Andreas Laun hatte eine Wahlempfehlung für den Rechtspopulisten ausgegeben. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der sich in der Flüchtlingsfrage stark engagiert hat,  distanzierte sich und verwies darauf, dass die katholische Kirche keine Wahlempfehlungen gibt. Hofer betont gerne seinen Glauben. Der Katholik trägt stets ein schwarz-silbernes Kreuz als Talisman.

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„Ich bin zuerst für die Österreicher da“

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