Präsidentschaftswahl
Irans letzte Chance

Da sich die Konservativen bekriegen, hofft ein gemäßigter Kandidat, die Präsidentenwahl in Iran zu gewinnen. Die Chancen sind sehr gering - aber einen Kurswechsel hätte das Land bitter nötig. Es ist praktisch bankrott.
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KairoWirklich etwas zu bieten hatte keiner der versammelten iranischen Präsidentschaftskandidaten. Ratlosigkeit und leere Worte dominierten, als die Bewerber im Wahlkampf vier Stunden lang im Fernsehen über die Wirtschaftskrise im Land debattierten. Blumig schwärmten Hardliner wie Atomunterhändler Said Dschalili von einer neuen „Wirtschaftspolitik des Widerstands“. Der moderate Kandidat Hassan Rowhani versprach der Bevölkerung, er werde sich als Präsident ihrer Sorgen annehmen, ohne zu sagen, was er tun will. Denn wie bedrohlich die Probleme wirklich sind, versucht der Iran seit Jahren zu verschleiern.

Die einheimischen Medien wurden streng vergattert, nicht über die Wirkungen der Sanktionen zu berichten und kein negatives Klima zu verbreiten. In Wirklichkeit aber geht es seit dem von Amerika und Europa organisierten Boykott von Ölimporten und Finanztransfers in allen Bereichen rapide bergab.

Nach internen Dokumenten, die die iranische Oppositionsgruppe „Grüne Welle“ in Paris diese Woche veröffentlichte, ist die Islamische Republik praktisch bankrott, und das Regime plant ein ganzes Bündel drastischer Einschnitte für die Bevölkerung. Aber erst nach der Wahl.

Sechs Kandidaten kämpfen an diesem Freitag um die Nachfolge von Mahmud Ahmadinedschad als Präsident. Dabei wird ein Vierkampf zwischen den beiden Konservativen Ali-Akbar Welajati und Mohammed Bagher Ghalibaf, dem Hardliner Said Dschalili und dem Kandidaten des Reformerlagers, Hassan Rowhani, erwartet. Keiner von ihnen will einen abrupten Kurswechsel im Atomstreit mit dem Westen. Den beiden unabhängigen Bewerbern werden keine Chancen eingeräumt.

Trotz Absprachen gab es bei den Konservativen bis zum Ende des Wahlkampfes keinen Konsens. Daher könnten sich der ehemalige Außenminister Welajati und Teherans Bürgermeister Ghalibaf gegenseitig die Stimmen wegnehmen. Damit steigen die Chancen des Moderaten Rowhani. Allerdings: wenn keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit bekommt, wird es eine Woche später eine Stichwahl geben. Und sollte es Rowhani bis dahin schaffen, müsste er den verbliebenden Vertreter der Konservativen schlagen. Kaum zu glaube, dass ihm das gelingt - zumal eine Manipulation der Wahl alles andere als ausgeschlossen ist.

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  • Keine Macht den Drohnen.

    http://iDrone.urlto.name

  • Man könnte eine Börse für Produkte aus Einkaüfen mittels Lebenmittelgutscheinen - ohen Alkohol - vom Jobcenter aufmachen. So könnten Großabnehmer wie Restaurants billig an Zutaten kommen.

    Ist "www.schwarzmarkt.de" schon weg?

    http://bge.urlto.name

  • Lieber ein Leben unter einer israelisch/amerikanischen Diktatur als in einer relegiösen iranischen "Demokratie".

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