Präsidentschaftswahl
Retter verzweifelt gesucht

Am Sonntagmorgen hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Frankreich begonnen. Alles läuft auf ein Duell zwischem dem Konservativen Sarkozy und der Sozialistin Royal hinaus. Wer immer das Rennen macht – das Land erwartet einen neuen Politikstil.

PARIS. Das Ehepaar Chirac hat begonnen, die Koffer zu packen. Ein Büro für den scheidenden Präsidenten ist bereits gefunden im vornehmen siebten Pariser Arrondissement, eine standesgemäße Wohnung wird noch gesucht. Die Zeit drängt. Am 16. Mai muss Chirac den Schlüssel des Elysée-Palastes an seinen Nachfolger übergeben.

Heute treffen die Franzosen eine Vorentscheidung, wer dann im Elysée einziehen wird. Sie haben die Wahl zwischen zwölf Präsidentschaftskandidaten. Die beiden Bestplatzierten schaffen den Sprung in die Stichwahl am 6. Mai.

Letzten Umfragen zufolge gehen die beiden Kandidaten des linken und rechten Lagers, die Sozialistin Segolene Royal und der Bewerber der Konservativen, Nicolas Sarkozy, als Favoriten in das Rennen. Insgesamt sind 44,5 Millionen Franzosen für den Urnengang registriert und müssen aus zwölf Kandidaten wählen. Die Wahllokale öffneten um 8 Uhr MESZ und sind bis 18 Uhr, in größeren Städten bis 20 Uhr geöffnet. Erste Nachwahlbefragungen werden für 20 Uhr erwartet. In einigen Überseegebieten wurde bereits am Samstag gewählt.

Wer das Ergebnis des ersten Wahlgangs vorausahnen will, könnte ebenso gut im Kaffeesatz lesen. Französische Wähler sind unberechenbar. Das haben sie 2002 eindrucksvoll bewiesen. Damals warf der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen den Sozialisten Lionel Jospin aus dem Rennen. Le Pens Überraschungscoup hatte sich zuvor in keiner Wahlumfrage abgezeichnet.

Der Ruf der Meinungsforscher ist seither schwer angeschlagen, doch ohne sie können die Franzosen auch nicht. Gierig wartet die ganze Nation täglich auf neue Zahlen. 110 Umfragen wurden seit Jahresbeginn angefertigt, 88 davon bestätigten ein und dieselbe Rangfolge unter den Kandidaten. Demnach liegt Nicolas Sarkozy, Chef der konservativen Regierungspartei UMP, klar an der Spitze, gefolgt von der Sozialistin Ségolène Royal, dem Zentristen François Bayrou und dem Rechtsextremen Le Pen. Bayrou und Le Pen hätten demnach keine Chance, in den zweiten Wahlgang zu kommen.

Das ist ein klarer Trend, doch er ist mit Vorsicht zu genießen. Die jüngste Umfrage ergab nämlich auch, dass über 30 Prozent der Wähler ihre Meinung noch ändern könnten. Außerdem kämpfen die Institute mit einem schwerwiegenden methodischen Problem: Sie rufen nur Festnetz-Telefone an, doch deren Zahl schrumpft. Vor allem junge Franzosen telefonieren nur noch mobil – und werden deshalb von den Meinungsforschern gar nicht mehr erreicht.

Wer die Umfragen von 2002 und 2007 vergleicht, findet gleichwohl einige interessante Neuigkeiten. Das Wahlvolk scheint weniger zersplittert als vor fünf Jahren. Die beiden „großen“ Kandidaten können vor dieser Wahl deutlich mehr Stimmen auf sich vereinigen. Außerdem wird die Wahlbeteiligung wohl sehr viel höher ausfallen als beim letzten Mal. Denn der Wahlkampf war spannend wie lange nicht und bot den Bürgern gleich mehrere Premieren. Royal ist die erste Frau mit einer realistischen Chance, Staatspräsidentin zu werden. Mit Bayrou schafft es erstmals ein Kandidat der politischen Mitte, in der Gunst der Wähler ganz nach vorn zu kommen.

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