Protektionismus
Europa fürchtet Technikklau aus China

Der Unmut über die Technologie-Versessenheit der Chinesen wächst nun auch in Europa. EU-Industriekommissar Antonio Tajani warnt vor dem Abfluss von Schlüsseltechnologien. Er fordert eine Genehmigungsbehörde für sensible Firmenkäufe nach US-Vorbild.
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BRÜSSEL/PEKING. Pathos ist den Chinesen fremd. Doch als Ministerpräsident Wen Jiabao am 3. Oktober - die Euro-Krise hatte gerade einen neuen Höhepunkt erreicht - in Athen auftrat, konnte er den Überschwang seiner Gefühle kaum verbergen. "Freunde sind da, um zu helfen", rief Wen den Griechen zu. China werde große Anstrengungen unternehmen, um die Länder der Euro-Zone zu unterstützen.

Der Premier ließ seinen Worten Taten folgen. Spanische Anleihen hat die Volksrepublik bereits gekauft. Volumen: 400 Millionen Euro. Portugiesische und griechische sollen in Kürze folgen. Allein für Portugal sind fünf Milliarden Euro im Gespräch.

In den betroffenen Ländern ist die Freude über die Hilfe aus Peking groß. Doch das zunehmende Engagement der neuen Wirtschaftsgroßmacht wird nicht überall begrüßt. Im Gegenteil. Die warnenden Stimmen häufen sich - vor allem dann, wenn die staatlich gelenkten Firmen aus dem Reich der Mitte Technologiefirmen in Europa aufkaufen.

"Wir müssen unser Wissen schützen", warnt EU-Industriekommissar Antonio Tajani im Gespräch mit dem Handelsblatt. Besonders groß ist das Misstrauen bei Versuchen, Technologiefirmen zu übernehmen. Tajani sieht hinter der gezielten Übernahme von High-Tech-Firmen durch China oder arabische Staatsfonds "eine politische Strategie, auf die Europa auch politisch antworten muss". Deshalb fordert der Industriekommissar die Schaffung einer neuen EU-Behörde nach dem Vorbild des Committee of Foreign Investments (CFIUS) in den USA. "Ich denke, es ist sinnvoll, die Einrichtung einer solchen Stelle zur Prüfung ausländischer Investitionen für die EU zu erwägen", sagt Tajani.

China verfügt über Devisenreserven von 2,6 Billionen Dollar. Das ist fast so viel wie das gesamte deutsche Bruttoinlandsprodukt des vergangenen Jahres. Dass China nicht zögert, die Mittel einzusetzen, hat es bereits häufig unter Beweis gestellt. Die ausländischen Direktinvestitionen der Chinesen sind in diesem Jahr um zwölf Prozent auf über 50 Milliarden Dollar gestiegen. Für das kommende Jahr erwarten Experten Investments von 98 Milliarden Dollar.

Ein Großteil dieser Gelder wendet die Volksrepublik auf, um sich den exklusiven Zugang zu wichtigen Rohstoffen etwa in Lateinamerika oder Afrika zu sichern. Doch auch westliche Unternehmen rücken zunehmend ins Visier der Chinesen. Ob beim Verkauf der Dresdner Bank 2008 oder beim letztlich geplatzten Opel-Deal - stets waren chinesische Bieter dabei. Auch beim geplanten Verkauf der WestLB soll es chinesische Interessenten geben.

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  • internationale Volkswirtschaft für Dummies. Die beste Lösung und lange schon überfällig ist die völlige Aufgabe der ausbremsenden, ungerechten und spekulationswütigen Patent- und Markenrechte. Entnehmen wir den Grund für Gezänke geht die Entwicklung überall weiter, egal wo und daurm geht es doch oder etwa nicht, falsche Menschenfreunde?

  • [4] Einanderer
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    nein Einwanderer, wir zeigen natürlich nicht mit dem Finger auf die Chinsesen, sondern wir üben uns dann wieder in Schuldkult.
    Das alles mußte so sein, weil wir ja mal vor 65 Jahren..
    Alles klar?

  • Ach nee, werden die endlich mal wach. ich fass es ja nicht.
    in Deutschland wurde doch in den letzen Jahren das ganze Landesvermögen und Landesbesitz nur an Ausländer verscherbelt. Uns gehört doch im eigenen Land fast nichts mehr.
    Das ging so weit, dass sogar kommunale Wohnungen an Ausländer, an Hedge Fonds verscherbelt wurden, mit all den negativen Folgen für die Mieter.
    Städt. Kanalsysteme sind an solche Leute verkauft werden, Cross-boarder-leasing und wir leasen es teuer zurück. Aber die Reparaturen dürfen wir auch machen. Tolle Geschäfte haben wir da getätigt.
    Hauptsache an Ausländer, deutsche investoren waren gar nicht geplant.
    Rot-Grün hat es doch ganz toll getrieben mit diesem Privatisierungswahn
    Und deutsche Firmen? Die sollen doch heute nicht jammern wegen Technik-Klau.
    Die sind doch in Scharen nach China geeilt, haben dort Firmen aufgebaut. Schließlich war doch China so billig.Die duetscher Arbeiter hat man dem Arbeitsamt vor die Tür geworfen.
    Waren die zu blöde zu merken was abläuft?
    Diese Firmen in China können nämlich nur in einem Joint-venture geführt werden,d.h. ein Chinse sitzt immer mit in der Leitung. Die Arbeiter sind sowieso Chinesen und werden natürlich dem chin. Chef folgen.
    Haben sie alles schön abgekupfert, geht man und baut ein paar Meter weiter ein eigenes, rein chinesisches Unternehmen und stellt die Plagiate her.
    Aber in vorauseilendem Gehorsam umschmeichelt die sozialistische Merkel die Chinsen ja auch noch kräftig.
    Zum Dank erhalten sie sogar Entwicklungshilfe
    Diese ganze künstliche Globalisierungs-Hysterie wird uns Deuschen in den nächsten Jahren derart auf die Füßte fallen, dass einige lange brauchen werden um wieder aufzuwachen

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