Proteste gegen Arbeitsmarktreform
Schwere Krawalle in Frankreich

In Frankreich ist die Gewalt erneut eskaliert. Bei Straßenschlachten in Paris wurden am Donnerstagabend mindestens 60 Menschen verletzt. Zehntausende hatten zuvor gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform protestiert.

HB PARIS. Die Jugendlichen hätten Polizisten mit Betonteilen beworfen, woraufhin die Polizei Tränengas eingesetzt habe, hieß es. Auch in anderen französischen Städten kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen. Landesweit wurden laut Polizei 420 Demonstranten festgenommen.

In Grenoble wurde ein Beamter verletzt. In Marseille kam es nach einem Protestzug von 5000 bis 10 000 Studenten zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und rund 100 Jugendlichen.

Unter dem Druck der Proteste erklärte sich Premierminister Dominique de Villepin am Donnerstag erstmals zu Verhandlungen über die Arbeitsmarktreform bereit. Fünf Gewerkschaften stimmten Gesprächen mit dem Regierungschef am heutigen Freitag zu, wollten dabei aber an ihrer Forderung nach einer Rücknahme des Gesetzes zum Erstanstellungsvertrag (CPE) festhalten.

Villepin ist um eine Entschärfung der Situation bemüht, die sich in den vergangenen Wochen zugespitzt und ihm sowie seiner Partei im Vorfeld der Wahlen 2007 deutlich geschadet hat. Er hatte angeboten, "ohne Vorurteile" über Wege zu diskutieren, wie mit den Ängsten vor dem geplanten Gesetz umgegangen werden könne. Die Zeitung "Le Parisien" berichtete, Staatspräsident Jacques Chirac habe Villepin gedrängt, den Kontakt mit den Gewerkschaften wieder aufzunehmen und indirekt mit der Entlassung Villepins gedroht. "Wenn sich die Dinge nicht sehr schnell ändern, wird der Ministerpräsident gefeuert", zitierte das Blatt einen ungenannten Regierungsvertreter.

Am Wochenende hatten Hunderttausende gegen das Gesetz protestiert. Die Gewerkschaften haben für Dienstag einen Generalstreik im Land ausgerufen. Das neue Gesetz sieht vor, dass Franzosen bis zum 26. Lebensjahr ohne Nennung von Gründen in den ersten zwei Jahren ihrer Anstellung sofort wieder entlassen werden können. Villepin erhofft sich davon bessere Arbeitsmarktchancen für diese Menschen.

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