Prozess in Bagdad
Saddam verwickelt Richter in Debatte

Der Prozess gegen Saddam Hussein ist am Montag für nur wenige Stunden fortgesetzt und dann auf den 5. Dezember vertagt worden. Saddam zeigte sich abermals kampfeslustig. Beim Richter beschwerte er sich wortreich über die Behandlung durch seine Bewacher.

HB BAGDAD. Saddam traf leicht verspätet im Gerichtssaal ein, der in der schwer bewachten "Grünen Zone" in Bagdad liegt. Er trug ein weißes Hemd und ein dunkles Jackett und unter dem Arm eine Ausgabe des Korans. Beim Vorsitzenden Richter Risgar Mohammed Amin beschwerte sich der frühere irakische Machthaber über die Behandlung durch seine Aufseher.

Er habe mit Fußfesseln vier Stockwerke hochgehen müssen, weil der Fahrstuhl defekt sei, sagte Saddam Hussein. Außerdem habe man ihm seinen Stift und seine Notizen abgenommen. Sein verspätetes Erscheinen vor Gericht begründete Saddam so: „Sie haben mich hier an die Tür gebracht und ich trug Handschellen. Sie können den Angeklagten nicht in Handschellen vorführen“.

Richter Amin erklärte in höflich-distanziertem Ton, er werde den Aufsehern sagen, dass der Fahrstuhl künftig funktionieren müsse. Daraufhin betonte Saddam Hussein: „Sie sagen es ihnen nicht, Sie ordnen es an. Sie sind Iraker, die Beamten sind Eroberer und Besatzer.“ Weiter sagte der Angeklagte, er habe dem Richter seit dem ersten Prozesstag am 19. Oktober mehrere Memos geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Der Richter sagte, er habe kein solches Memo erhalten.

Die Anhörung wurde zeitlich verzögert im Fernsehen übertragen, um bei unerwünschten Ereignissen die Übertragung nötigenfalls stoppen zu können. Als Saddam lauter wurde, brach die Fernsehübertragung aus dem Gerichtssaal ab.

Der neuerlichen Vertagung ging die Ablehnung eines vom Gericht gestellten Verteidigers durch den mitangeklagten früheren Vize-Präsidenten Taha Jassin Ramadan voraus. Sein ursprünglicher Anwalt war kurz nach Prozessauftakt getötet worden. Innerhalb weniger Tage waren zwei Anwälte aus dem Verteidiger-Team bei Anschlägen ums Leben gekommen. Ein dritter ist wegen anhaltender Bedrohungen ins Ausland geflohen.

Das Gericht ließ am Montag den früheren US-Justizminister Ramsey Clark als Berater der Verteidigung zu. Er hat in der Vergangenheit auch den früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic beraten. Nach eigenen Angaben will er die Rechtmäßigkeit des US-finanzierten Gerichts anfechten.

Saddam Hussein und seinen sieben Mitangeklagten wird vorgeworfen, aus Rache für den Attentatsversuch ein Massaker an mehr als 140 Schiiten in einem schiitischen Dorf angeordnet zu haben. Bei einer Verurteilung droht den Angeklagten die Todesstrafe. Zum Auftakt des Verfahrens am 19. Oktober hatten sich zahlreiche Zeugen geweigert, öffentlich aufzutreten.

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