Prozessbeginn
Das letzte Kapitel im Politkrimi um Bo Xilai

Es ist noch nicht lange her, da galt er als einer der mächtigsten Politiker Chinas. Nun droht Bo Xilai eine lange Haftstrafe. Der Prozess, der am Donnerstag beginnt, zieht seine Anhänger und andere Demonstranten an.
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PekingAm Tag vor dem Prozess gegen den gestürzten chinesischen Spitzenpolitiker Bo Xilai haben einige Dutzend Unterstützer und andere Demonstranten vor dem Gericht in der ostchinesischen Stadt Jinan (Provinz Shandong) protestiert. Die Polizei führte eine Frau ab, die sich laut rufend mit einem Flugblatt direkt vor das Gericht gestellt hatte: „Ich will Gerechtigkeit.“ Unter den Demonstranten waren Anhänger des in Ungnade gefallenen Politbüromitglieds, der mit seiner sozialen Politik und „roten Kampagnen“ als Parteichef von Chongqing zum Hoffnungsträger der Linken in der Partei aufgestiegen war. Andere nutzten auch einfach nur die Aufmerksamkeit für den Prozess, um Missstände oder persönlich erlebte Ungerechtigkeiten zu beklagen.

Einige prangerten allgemein die Korruption unter kommunistischen Funktionären an. „Das soll Sozialismus sein?“, empörte sich eine eigens aus Peking angereiste Frau. Dutzende Menschen hatten sich bis zum Mittag Ortszeit meist auf den anderen Straßenseite des Gerichts versammelt, ohne dass Demonstranten und Schaulustige unterschieden werden konnten. Die Polizei hatte sich mit Absperrgittern darauf vorbereitet, das Gebäude zum Prozessbeginn abzuriegeln.

Bo Xilai muss sich ab Donnerstag wegen „Bestechlichkeit, Unterschlagung und Amtsmissbrauchs“ vor dem Volksgericht verantworten. Dem 64-Jährigen droht eine hohe Haftstrafe. Der Prozess ist der voraussichtlich letzte Akt in dem Skandal, der das Milliardenvolk seit mehr als einem Jahr in Atem hält.

Die Familie Bo galt in China einst als leuchtendes Beispiel des Erfolgs: ein telegener Politiker und seine hingebungsvolle Frau Gu Kailai, die ihre Tätigkeit als Anwältin aufgegeben hat, um ihn zu unterstützen und den gemeinsamen Sohn großzuziehen. Sie knüpften ein Netzwerk politischer, militärischer und geschäftlicher Kontakte. Bos Aufstieg in der Kommunistischen Partei schien unaufhaltsam. Er saß im 25-köpfigen Politbüro und war Anwärter auf einen der sieben Sitze im obersten Führungsgremium, dem Ständigen Ausschuss.

Landesweit Aufsehen erregte der Parteichef der 30 Millionen Einwohner zählenden Metropole Chongqing mit seinem Anti-Mafia-Kreuzzug. Viele wanderten ins Arbeitslager. Einer von ihnen, ein ehemaliger Mitarbeiter der Forstverwaltung, bezeichnete Bos Vorgehen in einem kürzlich veröffentlichten Interview als „roten Terror“. „Die Arbeitslager quollen über“, sagte Fang Hong. Er war zu einem Jahr Haft verurteilt worden, weil er ein Lied online gestellt hatte, das Bo verhöhnte.

Der charismatische Bo suchte die Öffentlichkeit und mobilisierte die Massen mit Kampagnen im maoistischen Stil, etwa indem er die Bürger von Chongqing zum kollektiven Singen kommunistischer Lieder einbestellte. Im Führungszirkel der Partei machte sich Bo damit nicht nur Freunde – manche glauben, dass ihm sein unverhohlener Ehrgeiz letztlich zum Verhängnis wurde.

Der Wendepunkt kam im Januar vergangenen Jahres. Polizeichef Wang Lijun, lange Zeit ein enger Vertrauter, konfrontierte Bo mit Mordvorwürfen gegen dessen Frau. Er habe Beweise, dass Gu zwei Monate zuvor den britischen Geschäftsmann Neil Heywood getötet habe.

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Das letzte Kapitel im Politkrimi um Bo Xilai

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Nach Bos Sturz wurden die Vorwürfe gegen seine Frau bekannt

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