Putin und Tsipras
Nette Worte, wenig dahinter

Der Besuch von Alexis Tsipras in Moskau wird von den EU-Partnern kritisch beäugt. Dabei befindet sich der griechische Premier in keiner guten Verhandlungsposition. Das scheint auch der Kreml zu wissen.
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MoskauWiktor Smirnow interessiert sich selten für Außenpolitik, doch heute will er lieber nichts verpassen und hat sein Smartphone parat. Während er für Kunden an seinem Stand in einem Moskauer Supermarkt Olivenöl abfüllt, das sein Familienunternehmen aus Griechenland einführt, checkt er immer wieder Nachrichten. Es ist der Besuch des griechischen Premiers Alexis Tsipras, der den 28-jährigen besonders interessiert.

Bis vor kurzem importierte er neben Öl tonnenweise Joghurt aus dem südeuropäischen Land. Dies ist vorbei, seit Russland ein Einfuhrverbot für Lebensmittel auf der EU verhängt hat. Als Reaktion auf Wirtschaftssanktionen. „Vielleicht können die sich mit Putin heute auf etwas einigen“, hofft Smirnow und meint, dass Russland seine Sanktionen lockert.

Doch Russlands Präsident Putin und Griechenlands Premier Tsipras hatten heute kaum gute Nachrichten im Gepäck, auf die der Unternehmer gehofft hat. Die Frage der Sanktionen sei ein europäisches Problem, sagte Tsipras bei einer Pressekonferenz am Nachmittag. Also werde es nur eine europäische Lösung geben.

Auch sonst hatte der griechische Premier wenig Handfestes, das er den Journalisten erzählen konnte. Sein unentwegtes Lächeln wirkte bemüht, offenbar wollte er zufrieden wirken. Doch abseits netter Worte Richtung Russland blieb wenig Substanzielles. Lediglich, dass Griechenland nichts dagegen hätte, am Bau einer russischen Pipeline durch die Türkei mitzuwirken. Ob dieser allerdings umgesetzt werde, steht nach dem Stopp für South-Stream Ende Dezember in den Sternen.

Bereits im Vorfeld waren Beobachter und Experten in Russland skeptisch, ob es in Moskau zu Durchbrüchen in den Beziehungen zwischen beiden Ländern kommen wird. Gestern dämpfte Russlands Agrarminister Nikolai Fedorow Erwartungen über mögliche Entscheidungen zur Lockerung des Embargos, auch wenn es entsprechende Diskussionen bezüglich Griechenland, aber auch Ungarn und Zypern in der russischen Regierung gebe.

Ein wichtiges Hindernis liegt auch darin, dass andere EU-Länder diese neue Lücke nutzen könnten, sagen Brancheninsider. So könnten polnische oder deutsche Lebensmittel als griechische oder ungarische Exporte nach Russland strömen und die Moskauer Gegensanktionen aushebeln.

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Nette Worte, wenig dahinter

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Tsipras hat nicht viel zu bieten

Kommentare zu " Putin und Tsipras: Nette Worte, wenig dahinter"

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  • Putin begrüßte sogar diese Entwicklung....die Sanktionen haben ihr Gutes !!
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    Man war jahrzehntelang einfach zu faul und hatte sich daran gewöhnt, vieles zu importieren und die eigene Industrie zugunsten der Rohstoffexporte zu vernachlässigen. Das ändere sich nun, Russland wird einen Technologieschub bekommen, der auch nachhaltig wirken werde.
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    DAS NATÜRLICH ZU LASTEN DEUTSCHLANDS UND DER EU !!!!!
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    Denn gerade Maschinenbau und High-Tech-Branchen waren die Opfer der Jelzin-Ära, die sich immer noch nicht ganz davon erholt haben. Nun soll Russland auch hier wieder souverän werden.
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    Bei speziellen Elektronikteilen wird man sich dagegen an China wenden.

  • Wir Europäer sollten Russland und China für den Weltfrieden unterstützen.
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    Es muss alles gemacht werden, dass die USA mit den grausamen Kriegen, mit den Völkermorden, mit den Regierungsumstürze und mit den False Flage gezwungen wird auf zu hören! Das sich Amerika für einen Präventivschlag vorbereitet, dürfte jeder schon mitbekommen haben! Sie machen auch kein Geheimnis daraus! Nur, wenn die USA weiter so provoziert und Atommächte wie Russland und China vor ihrer Grenzen bedroht, müssen sie aufpassen nicht selbst einen Erstschlag durch China und Russland vernichtet zu werden!
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    Die Neue Welt Ordnung kann nur mit einen 3 Weltkrieg umgesetzt werden! Es wird keinen Sieger geben, die Menschen würden sich selbst ausrotten.

  • Dem Schwein ist alles Schwein

    Der Putin kann doch machen, was er will. Er wird von der Amerika-hörigen Presse gedöppt.

    Wenn er der Heiland wäre, würden die deutschen Journalisten rufen: "Kreuziget ihn". Und bei ihrem Millionen-fachen Mörder als Heiland bleiben.

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