Radioaktive Vergiftung
Weitere Opfer im Fall Litvinenko befürchtet

Nach dem Tod des vergifteten russischen Ex-Agenten Alexander Litvinenko müssen sich drei Menschen in einer britischen Spezialklinik radiologischen Untersuchungen unterziehen. Möglicherweise kamen sie mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 in Berühung, die Litvinenko wahrscheinlich das Leben kostete.

HB LONDON. Die drei Patienten, die jetzt in eine Spezialklinik kamen, hielten sich ebenso wie Litwinenko in einem Londoner Hotel und einer Sushi-Bar auf, wo Spuren der Substanz entdeckt wurden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums leiden sie an Symptomen, die auf eine radioaktive Verseuchung hinweisen könnten. Bei 15 weiteren Personen wurden zudem Routinemaßnahmen wie etwa Urinproben angeordnet.

Im Körper des früheren KGB-Agenten waren Spuren der hoch radioaktiven Substanz Polonium 210 gefunden worden. Äußerst giftige Rückstände wurden auch in Litvinenkos Wohnung entdeckt sowie in einem Restaurant und einem Hotel, in dem er sich aufgehalten hatte. Die Behörden forderten daraufhin alle Bürger auf, eine eigens eingerichtete Notrufnummer zu wählen, falls sie ebenfalls an diesen Orten waren. Neben den 18 Betroffenen, die jetzt genauer untersucht werden, meldeten sich noch etwa 450 andere Menschen unter der Nummer aus Sorge um ihre Gesundheit.

Litvinenko war etwa drei Wochen nach seiner Vergiftung gestorben. In einem Abschiedsbrief hatte der einstige Spion, der im vergangenen Monat die britische Staatsbürgerschaft erhielt, Russlands Präsident Wladimir Putin des Mordes bezichtigt. Ein Sprecher Tony Blairs warnte gleichwohl am Montag vor vorschnellen Rückschlüssen. „Der Premierminister und andere Minister haben wiederholt ihre Besorgnis über einige Menschenrechtsaspekte in Russland betont. Aber in diesem speziellen Fall müssen wir vorsichtig vorgehen. Polizeiermittlungen sind im Gange und wir müssen das Ergebnis abwarten.“

Litvinenko hatte sich Anfang November in London mit einem ehemaligen Kollegen aus Moskau und einem italienischen Akademiker getroffen. Noch am gleichen Tag traten Vergiftungssymptome auf und Litvinenko begab sich in eine Klinik. Er recherchierte im Fall der regierungskritischen russischen Reporterin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober in Moskau erschossen worden war. Putin wies am Rande des EU-Russland-Gipfels in Helsinki die Vorwürfe einer Verwicklung in den mysteriösen Tod Litvinenkos zurück.

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