International
Randalierer in Paris schießen auf die Polizei

Die seit einer Woche andauernden Unruhen in den Pariser Vororten erfahren derzeit eine Eskalation.

HB BOBIGNY. Jugendliche und Polizisten lieferten sich in der Nacht zu Donnerstag gleichzeitig in neun Trabantenstädten der Metropole Straßenschlachten. Die zu Tausenden eingesetzten Sicherheitskräfte wurden aus den Reihen der Randalierer heraus beschossen. Ministerpräsident Dominique de Villepin und Innenminister Nicolas Sarkozy verurteilten die Gewalt und erklärten vor dem französischen Senat, die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung habe absolute Priorität für die Regierung.

Die anhaltende Gewalt hat die Kritik an den regierenden Konservativen verschärft, die sich in den vergangenen Tagen offen über die angemessene Reaktion auf die Unruhen gestritten haben. Die linke Opposition warf Sarkozy unter anderem vor, die Krawalle mit der Bemerkung angeheizt zu haben, die Randalierer seien der Abschaum der Gesellschaft. Die Nacht zum Donnerstag war die siebte Nacht in Folge, in der es im Norden und Osten von Paris zu Ausschreitungen kam. Die meisten Randalierer stammen aus eingewanderten afrikanischen Familien, sind arbeitslos ohne Aussicht auf eine Beschäftigung und fühlen sich von der französischen Gesellschaft ausgeschlossen.

Die Polizei registrierte an drei Orten Schüsse auf Beamte und Einsatzkräfte der Feuerwehr, durch die niemand verletzt wurde. Der Präfekt der betroffenen Region Seine-Saint-Denis, Jean-Francois Cordet, machte aber keine Angaben dazu, welche Waffen benutzt wurden. Vertreter der Polizei nannten die Situation dramatisch. „Das ist sehr ernst und wir befürchten, dass die Ereignisse heute Nacht noch schlimmer werden“, sagte der Generalsekretär der Polizeigewerkschaft UNSA, Francis Masanet. Ein anderer Gewerkschaftsvertreter sprach sogar von einem Bürgerkrieg. Er forderte Sarkozy auf, eine nächtliche Ausgangssperre zu verhängen, damit die Gewalt nicht außer Kontrolle gerate.

Villepin lastete die Unruhen organisierten Banden an und erklärte: „Recht und Ordnung werden das letzte Wort haben.“ Sarkozy kündigte an, dass die Regierung entschlossen gegen die Randalierer vorgehen werde. „Angesichts der Schwere dieser Ereignisse gibt es nur eine politische Linie: Entschlossenheit und die Anwendung des Rechts.“ Die beiden Politiker gelten als Rivalen um die Nachfolge von Präsident Jacques Chirac und Sarkozy hat sich vor drei Jahren bereits einmal mit einem harten Sicherheitsprogramm profiliert. Damals dominierte eine Diskussion über steigende Verbrechenszahlen den Präsidentschaftswahlkampf, den Chirac schließlich für sich entschied.

Sarkozy hatte für die Nacht zu Donnerstag zusätzliche 2000 Polizisten in die Vorstädte geschickt, um die Unruhen zu unterbinden. Seinen Angaben zufolge nahm die Polizei seit Beginn der Unruhen 143 Menschen fest, davon 41 in der zurückliegenden Nacht. Cordet sagte, vier Polizisten und zwei Feuerwehrmänner seien verletzt worden. Einer von ihnen erlitt demnach Verbrennungen im Gesicht, als er von einem Brandsatz getroffen wurde.

Die Unruhen begannen vor einer Woche in der Vorstadt Clichy-sous-Bois, nachdem sich zwei Jugendliche offenbar auf der Flucht vor der Polizei tödlich verletzt hatten. Das Ereignis ließ vor allem in den ärmeren Vierteln tiefsitzende Unzufriedenheiten aufbrechen. Die Krawalle griffen schnell auf andere Schlafstädte über, die Paris umringen. Seit Beginn der Ausschreitungen haben die Randalierer mehr als 175 Autos in Brand gesetzt sowie eine Grundschule und ein Einkaufszentrum verwüstet.

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