Rasantes Wachstum mit Risiken
Indiens Boom polarisiert

An Indiens Boom scheiden sich die Geister: Pessimisten geben ihm keine Dauer und warnen vor einer riskanten Überhitzung. Optimisten sehen das Land auf dem Weg zu Wachstumsraten wie in China.

DELHI. Die aktuelle Entwicklung gibt den Optimisten Rückenwind: Die Wirtschaft gewinnt unaufhaltsam an Fahrt. Zur Überraschung von Analysten stieg das Wachstum im dritten Quartal um 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der ersten Hälfte des Fiskaljahrs, das noch bis März 2007 läuft, expandierte die Wirtschaft damit um neun Prozent. Diesen Durchschnittswert hat sich die Regierung gerade für den nächsten Fünf-Jahresplan als Ziel gesetzt. Er läuft bis 2011. Gegen Ende der Planphase sollen sogar zweistellige Zuwachsraten erreicht werden.

Viele halten das für überambitioniert. Doch für Surjit Bhalla unterschätzt ein Gros der Analysten Indiens Dynamik: „Alle Faktoren für eine Wachstumsbeschleunigung auf zehn Prozent sind gegeben“, glaubt der Chef von Oxus Research in Delhi. Volkswirte wie Tushar Poddar von Goldman Sachs sehen die jüngsten Daten zumindest als Beleg, dass Indien auf einen dauerhaften Wachstumstrend von rund acht Prozent eingeschwenkt ist. So schnell wächst die Wirtschaft seit drei Jahren. Im Schnitt der zwei zurückliegenden Jahrzehnten waren es nur sechs Prozent.

„Die Beschleunigung hat strukturelle Gründe, sie ist Folge vieler Reformen, welche die Produktivität stark erhöht haben“, glaubt Poddar. Indiens Wirtschaft sei robuster als je zuvor gegen Schocks von außen wie eine schwächere US-Konjunktur und werde auch 2007 und 2008 mit acht Prozent wachsen.

Andere warnen vor einer Überhitzung. Sie sehen die jüngsten Konjunkturdaten als Indiz für weitere Zinserhöhungen. „Die Zentralbank wird die Zinsschraube anziehen, um die Inflation in Schach zu halten“, meint Rajiv Malik von JP Morgan. Dass sich diese bei über fünf Prozent hält, sorgt auch Finanzminister Palaniappam Chidambaram. „Aber eine schnell wachsende Wirtschaft muss mit einem gewissen Preisauftrieb leben“, meint er. „Die Konjunktur wird ihren Schwung halten.“

Lange wurde der Wirtschaftsmotor hauptsächlich vom Konsum getrieben. Doch er feuert auf immer mehr Zylindern: So dürften die Güterausfuhren dieses Jahr erneut um rund ein Viertel auf 126 Mrd. Dollar zulegen. Vor drei Jahren exportierte das Land erst die Hälfte davon.

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