Raumfahrt, Leber-Transplantationen, Computer: Mit Riesenschritten erschließt sich China Hochtechnologien
Der Billigproduzent ist nicht mehr nur billig

Chinas rasante Fortschritte haben IT-Profis, Luftfahrtexperten und EU-Kommissare aktiviert. Das Land habe sich auch in anspruchsvollen Industrien als Billig- Konkurrent etabliert, warnte dieser Tage die Europäische Kommission in ihrem 359 Seiten langen Wettbewerbsbericht für 2004. In der Tat: Der erste Raumflug, die erste Leber-Transplantation, der erste Supercomputer – die Eigengewächse chinesischer Tüftler werden immer beeindruckender.

mg PEKING. Gerhard Schröder reist in ein Land, das mit Sieben-Meilen-Stiefeln Technologielücken schließt. China baut bald Autos in Europa, es wird ein wichtiger Lieferant für Airbus und es schließt in der Chip- Fertigung zu Taiwan auf. Chinas Aufholjagd von der Werkbank multinationaler Firmen zum Ernst zu nehmenden Player in strategisch wichtigen Industrien verschlägt Wettbewerbern im Westen den Atem.

Im September nahm Schanghai den Dawning4000A in Betrieb, ein Rechenmonstrum, das 10 000 Milliarden Berechnungen in der Sekunde anstellen kann. Damit steigt China hinter den USA und Japan zur globalen Nummer drei in dem strategischen Bereich auf. Der Herausforderung, die der rasante technische Aufstieg darstellt, widmet die EU in ihrem Bericht ein ganzes Kapitel.

Ende Oktober kündigte das Land für 2005 den zweiten bemannten Raumflug an. Kurz zuvor ließ der kleine chinesische Autobauer Chery – bekannt geworden durch VW-Kopien – wissen, man sehe sich nach einer Fertigungsstätte in Osteuropa um. Während Deutschlands Autobauer in eine Krise schlittern, melden sich die Chinesen zu Wort.

Damit nicht genug. In Peking wurde gerade die erste erfolgreiche Leberzellen-Transplantation durchgeführt. Damit erzielte das Land den Durchbruch zum Weltstandard in der Behandlung von Leberkrankheiten. Bereits im Juni hat ein chinesisch-brasilianisches Joint Venture zwei lokal gebaute Regionaljets an die „China Southern“ ausgeliefert. Chinesische Lieferanten ziehen mit rasendem Tempo zusätzliche Teile-Produktion für moderne Airbus-Jets an sich. Ganz zu schweigen vom ersten in China gebauten „Transrapid“-Zug, dessen Spitzengeschwindigkeit zwar nur schlappe 110 Stundenkilometer erreicht, seine leise Karriere aber von Japanern und Deutschen sehr aufmerksam verfolgt wird.

„China wird das IT-Zentrum der Welt“, sagt Cisco-Chef John Chambers. Nach offiziellen Angaben eröffnen ausländische High-Tech-Firmen pro Jahr 200 neue Labors und Forschungszentren in China. Im Sauseschritt schließt China Technologie-Lücken, wo immer es kann. Vor einem Jahrzehnt produzierte Chinas Stahlprimus Baoshan Iron & Steel einfachste Produkte. Jetzt rollt das Unternehmen kalt gewalzten Stahl, für den VW- und GM-Einkäufer Schlange stehen.

Eine Studie des Magazins Industry Week und des Manufacturing Performance Instituts in Cleveland belegt, dass chinesische Hersteller teilweise schon die US-Konkurrenz bei Innovationen und Produktivität überflügeln. Chinesische Firmen gaben 2003 rund 18 Mrd. Dollar für Forschung und Entwicklung (F&E) aus, vor fünf Jahren waren es acht Mrd.

Die chinesische Aufholjagd sieht aber beeindruckender aus als sie wirklich ist. „Was die Technologie angeht, fungiert China noch immer als Fließband ausländischer Autofirmen“, sagt Yang Hexiang, Industriedirektor beim Development Research Institute des Staatsrats. „Von den neu entwickelten Autos auf dem chinesischen Markt in 2002 hatten nur 10,5 Prozent ein chinesisches Design.“ China hat seine Forschung im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Doch die F&E-Ausgaben machen nur 1,1 Prozent des BIP aus.

Quelle: Handelsblatt

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