Reaktionen zum EU-Gipfel
Verfrühte Euro-Freude

Der Rettungsfonds darf sein Top-Rating behalten, die meisten Banken wollen beim Schuldenerlass mitmachen: Nach dem EU-Gipfel stehen die Sterne gut für den Euro. Doch prominente Stimmen warnen, die Krise sei nicht vorbei.
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Berlin, London, Luxemburg, Peking, SaarbrückenFast alle großen Geldinstitute werden nach Einschätzung des internationalen Branchenverbands IIF beim geplanten Schuldenerlass der Eurozone für Griechenland mitmachen. „Ich bin sehr optimistisch, dass sich mehr als 90 Prozent der Banken beteiligen“, sagte der geschäftsführende Direktor des International Institute of Finance (IIF), Charles Dallara, der „Welt am Sonntag“ laut Vorab-Bericht. Offen sei aber, wie andere Gläubiger - wie Versicherungen oder Fonds -einbezogen würden, sagte Dallara. „Hier muss sicher noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.“

Positive Signale auch für den neuen Krisenfonds: Die drei führenden Ratingagenturen haben nach dem EU-Gipfel die Bonität des Euro-Rettungsfonds EFSF bestätigt. Der Fonds, der Hilfen von bis zu 440 Milliarden Euro vergeben kann, erhielt weiter die Bestnote „AAA“. Das teilte der EFSF am Samstag in Luxemburg mit. Sowohl Moody's, Standard & Poor's als auch Fitch hätten den Fonds auf Basis der Beschlüsse des Gipfels mit „AAA“ bewertet. Sie bestätigten damit frühere Aussichten.

Mit einem sogenannten Hebel soll die EFSF-Schlagkraft auf eine Billion Euro vervielfacht werden, indem ein Teil der Anleihen notleidender Staaten von dem Fonds gegen Ausfall versichert wird. Die Bestbenotung ist Voraussetzung dafür, dass der Fonds mit der größtmöglichen Schlagkraft arbeiten kann. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Regierungserklärung am Mittwoch von einem Schutzwall für den Euro gesprochen, der Ansteckungsgefahren für andere hochverschuldete Euro-Länder verhindern soll.

EFSF-Chef Klaus Regling betonte, die Bestätigung der höchsten Kreditwürdigkeit zeige „das Vertrauen in die Strategie der Euro-Zone, um die Finanzstabilität wieder herzustellen“. Deutschland beteiligt sich am EFSF mit Garantien von 211 Milliarden Euro.

Nach den Worten Reglings könnten die Anleihen des Rettungsfonds auch in der chinesischen Währung Yuan ausgegeben werden. Dem EFSF stehe es frei, die Bonds in beliebiger Währung anzubieten, sagte er an der Tsinghua-Universität in Peking. Die Europäer suchen unter anderem in China nach Investoren für ihre neuen Instrumente zur Bekämpfung der Schuldenkrise. Regling erhielt bei seinem China-Besuch aber keine Zusagen, dass sich das mit einer Billionensumme an Devisenreserven ausgestattete Land stärker in Europa engagieren wird. Die Volksrepublik ließ durchblicken, sie erwarte für frisches Geld Gegenleistungen wie Sicherheiten und Reformen in der Euro-Zone.

Der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat eine schnelle Umsetzung der Entscheidungen vom Euro-Krisengipfel angemahnt. „Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone haben ein Programm, jetzt wartet auf die Regierungen und die Europäische Kommission harte Arbeit“, sagte er der „Bild am Sonntag“ einem Vorabbericht zufolge. „Die schnelle und vollständige Umsetzung der Entscheidungen ist jetzt absolut entscheidend.“ Für eine Entwarnung sei es zu früh, die Krise sei noch nicht vorbei. „Nach den Beschlüssen dieser Woche bin ich aber zuversichtlich, dass es den Regierungen gelingen wird, die Finanzstabilität wiederherzustellen.“ Dazu müssten die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes in umfassender Weise verschärft und durchgesetzt werden.

Trichet schloss den Blatt zufolge nicht aus, dass die EZB Sondermaßnahmen wie den Erwerb von Staatsanleihen erneut anwenden könnte. Allerdings erklärte er: „Derartige Maßnahmen sind nur in der Ausnahmesituation einer globalen Krise größten Ausmaßes zu rechtfertigen. Sobald die Regierungen über die neuen Instrumente verfügen, mit denen sie die Finanzstabilität wiederherstellen können, und diese einsatzbereit sind, gibt es für uns keinen Grund, an diesen Sondermaßnahmen festzuhalten.“

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  • Dazu brauchst du aber den KOPP-Verlag nicht. Davon haben auch ganz normale Zeitungen geschrieben. Außerdem verdienen die Autoren des Kopp-Verlages ihr Geld mit der Meinung der Andersdenkenden, was einer zuvor genau ausgewählten Zielgruppe von Lesern entspricht (wie übrigens bei jedem Medium!). Deshalb: Lies alles, was du lesen kannst und du wirst erkennen, das du vor lauter Desinformation nichts mehr glauben kannst. Besondere Vorsicht ist aber beim Kopp-Verlag und im Internet geboten. Bei letzterem, weil jeder Mensch dazu neigt, sich das anzusehen, was ohnehin schon seiner Meinung entspricht, was den Irrtum noch verstärkt. Wer heute glaubt, objektiv sein zu können, ist ein Narr!

  • Angelas Scheingefechte
    ---------------------------
    Wer da glaubt die Banken würden bluten, der kennt nicht die
    Geschäftsstrukuren einer Bank.
    Die Geschäftsleitung einer Bank ist der Firma und den Ak-
    tionären gegenüber verpflichtet und nicht der Öffentlich-
    keit und schon gar nicht dem Steuerzahler.
    So wird die Geschäftsleitung kaum etwas unternehmen, was
    den Gewinn schmälern könnte und das schon allein aus dem
    Selbsterhaltungstrieb heraus wegen Unfähigkeit gefeuert
    zu werden, im Gegensatz zu den Politikern.
    Ohne die finanzielle Unterstützung der Banken dürfte selbst
    die CDU/CSU kaum Überlebenschancen haben.
    Womit wieder einmal bestätigt wäre, daß keine Krähe der
    anderen ein Auge aushackt!!

  • ....wenn exorbitante Schulden und Weltwirtschaftskrisen nach gleichem Muster IMMER zu bewußt generierten Kriegen führten, um die weltpolitischen Machtverhältnisse beeinflussen zu können, dann können nun auch wir die Entstehung dieses Szenarios jetzt beobachten, begleiten und darüber unseren Enkeln berichten (sofern wir dann noch leben)

    ...Die GEWOLLTE politische Destabilisierung wegen des Öls und Sicherung des Machterhaltes ist in vollem Gange !!!!

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