Reformstau
Lateinamerika büßt an Attraktivität ein

Lateinamerika bleibt zwar ein attraktives Ziel für ausländische Investitionen, verliert aber gegenüber anderen Regionen an Wettbewerbsfähigkeit. Gerade mal acht Prozent der Gelder hat die Region angezogen, die private und staatliche Multis im vergangenen Jahr investiert haben. Auslandsinvestoren prangern vor allem den Reformstau in Mittel- und Südamerika an.

MEXIKO-STADT. Vergangenes Jahr sind nach Angaben der Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal) 72,44 Mrd. Dollar ausländische Direktinvestitionen nach Mittel- und Südamerika geflossen, was ein Plus von 1,5 Prozent gegenüber 2005 bedeutet. Verglichen mit dem weltweiten Anstieg der Direktinvestitionen um 34 Prozent auf 1,23 Bill. Dollar schneidet Lateinamerika allerdings schlecht ab.

Die Region hat gerade mal acht Prozent der Gelder angezogen, die private und staatliche Multis 2006 investiert haben. In den vergangenen Jahren waren es zumeist rund elf Prozent. Der nachlassenden Attraktivität Lateinamerikas für Investitionen steht allerdings ein neues Selbstbewusstsein der großen regionalen Unternehmen gegenüber, die mittlerweile in der ganzen Welt mit Milliardensummen Konkurrenten aufkaufen.

Mehr als die Hälfte der ausländischen Direktinvestitionen ging im vergangenen Jahr nach Mexiko (18,94 Mrd. Dollar) und Brasilien (18,78 Mrd. Dollar), die beiden größten Volkswirtschaften Lateinamerikas. Auf dem dritten Platz liegt Chile mit 8,05 Mrd. Dollar. Das Schlusslicht bildet hier Venezuela. Dort wurden sogar Investments in Höhe von einer halben Mrd. Dollar abgezogen.

„Lateinamerikas Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Asien und Europa lässt nach“, sagt Giselher Foeth, Geschäftsführer der Deutsch-mexikanischen Handelskammer Camexa. Dazu trage die politische Instabilität in Ländern wie Venezuela, Mexiko und Bolivien bei, aber auch die mangelnde Reformbereitschaft.

Nach Einschätzung der Experten von Cepal und des Lausanner Instituts für Management-Entwicklung (IMD) bremsen vor allem die fehlende staatliche Strukturpolitik, Bürokratie, veraltete Industrieanlagen und abgeschottete Sektoren wie beispielsweise die Energiebranche in Mexiko den Enthusiasmus der Investoren. Im „World Competitiveness Yearbook 2007“ des IMD nehmen Mexiko und Brasilien auf der von den USA angeführten Rangliste von 55 Staaten die Plätze 47 und 49 ein. Schlechter schneiden in der Region nur Argentinien und Venezuela ab.

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