Regierungsbeteiligung angeboten
Neuer liberianischer Präsident geht auf Rebellen zu

Der neue liberianische Präsident Moses Blah hat den Rebellen das Amt des Vize-Präsidenten angeboten, um das von Bürgerkrieg zerrüttete westafrikanische Land schnell zu befrieden. Blah sagte am Montagabend dem Fernsehsender CNN, er lade jetzt die Rebellen ein, „nach Monrovia zu kommen und ich geben den Posten des Vize-Präsidenten an die Rebellen“. Die Rebellen sollten in die Regierung eintreten, um Frieden im Land zu schaffen.

Reuters MONROVIA. Der Chef der Rebellen der Liberianischen Vereinigung für Versöhnung und Demokratie (Lurd), Sekou Conneh, sagte Reuters, eine Übergangsregierung müsse binnen weniger Wochen gebildet werden. „Wir wollen so schnell wie möglich eine Übergangsregierung haben, damit wir die Waffen umgehend niederlegen können.“ US-Präsident George Bush begrüßte den Machtwechsel in Liberia und sagte dem Land vor allem humanitäre Hilfe zu.

Blah, der zuvor den umstrittenen Präsidenten Charles Taylor abgelöst hatte, sagte weiter, er habe die Rebellen gebeten, die Waffen niederzulegen und an den Gesprächen mit ihm teilzunehmen. „Innerhalb von drei Tagen werden wir aus unseren Verhandlungen einige positive Ergebnisse haben.“ Zugleich forderte er in dem Interview die USA auf, das Land aus seinem Albtraum zu befreien. „Meine Botschaft an Präsident Bush ist: bitte Präsident Bush komme und rette Liberia.“

Bush sagte in Aurora (Colorado), der Rücktritt und die Ausreise von Taylor seien ein wichtiger Schritt für eine bessere Zukunft der Liberianer. „Die Vereinigten Staaten werden Ecowas (die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft) und humanitären Organisationen helfen, damit die bedürftigen Menschen Hilfe bekommen.“

So wollen die USA nach Aussage von US-Außenminister Colin Powell dabei helfen, dass der zur Versorgung der vom Bürgerkrieg erschütterten Hauptstadt Monrovia überaus wichtige Hafen wieder geöffnet wird. Powell sagte am Montag in Washington, der Kommandeur der vor der liberianischen Küste liegenden Eingreiftruppe werde in Kürze an Land gehen, um zu sehen, wie man wieder Zugang zum Hafen herstellen können, um dann humanitäre Hilfe leisten zu können. Vor der Küste befänden sich Schiffe mit Hilfsgütern für die Bevölkerung.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan äußerte seiner Sprecherin zufolge die Hoffnung, dass der Rücktritt Taylors „den Anfang vom Ende eines langen Albtraums für das liberianische Volk“ markieren wird.

Mit seinem Amtsverzicht gab Taylor auch dem Druck der USA nach. US-Präsident Bush hatte Taylor persönlich zum Rücktritt aufgefordert. Am Montagabend hob dann eine Maschine vom Flughafen Monrovias ab, die Taylor nach Nigeria brachte. Das westafrikanische Land gewährt Taylor, der wegen Kriegsverbrechen im Nachbarland Sierra Leone angeklagt ist, Asyl.

In Liberia waren bereits in der vergangenen Woche die ersten westafrikanischen Friedenstruppen eingetroffen. Sie bilden die Vorhut einer Truppe, die die Ecowas stellt. Die USA haben bereits eine kleine Gruppe von Marine-Infanteristen nach Monrovia entsandt, die die logistische Unterstützung der Friedenstruppen vorbereiten soll. Vor der liberianischen Küste liegen zudem mehrere US-Kriegsschiffe mit 2300 Marine-Infanteristen. Über ihren Einsatz in Liberia ist bislang noch nicht entschieden worden.

Taylor hatte 1989 eine Revolte mit dem Ziel angeführt, den damaligen Diktator Samuel Doe zu stürzen. Es folgten sieben Jahre Bürgerkrieg, in dem 200 000 Menschen getötet wurden. Taylor ging als stärkster aus einer Reihe von Kriegsherren hervor und wurde 1997 zum Präsidenten gewählt. Auch danach kam das Land nicht zur Ruhe.

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