Region als Chance
Zu Guttenberg will arabische Investoren gewinnen

Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg wirbt am Wochenende in Abu Dhabi und in Riad um Investitionen in Deutschland. Zugleich setzt er sich für deutsche Unternehmen ein, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien Geschäfte machen wollen. Im Bundeswirtschaftsministerium betont man, es gehe keinesfalls in erster Linie darum, Investoren für Opel zu suchen.

BERLIN/DUBAI. „Der generelle Aufbau von Kontakten in der Region steht im Vordergrund“, heißt es. Der Delegation von Minister zu Guttenberg (CSU) gehört eine Gruppe von Managern an, die vor allem für klassische Industriebranchen stehen. Dabei sind etwa Vertreter des Gas-Spezialisten und Anlagenbauers Linde, des Industriedienstleisters MAN Ferrostaal, des Chemiekonzerns Lanxess und des Kompressorenherstellers Bauer.

Die Unternehmen haben in der Region gute Chancen. Denn die Öl-Großmächte der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien planen, ihre Wirtschaft mit gewaltigen Infrastruktur-Programmen anzukurbeln. Allein die Saudis wollen in den kommenden fünf Jahren rund 400 Mrd. Dollar in Kraftwerke, Häuser, Straßen, Krankenhäuser und Schulen stecken. Firmen aus der Energie- und Bauwirtschaft werden besonders gebraucht. Aber auch in Abu Dhabi sind jede Menge Projekte in der Pipeline. So macht sich MAN Ferrostaal für die kommenden Jahre Hoffnung auf Milliardenaufträge. Der Staatsfonds International Petroleum Investment Company aus Abu Dhabi, der den deutschen Betrieb zu 70 Prozent gekauft hat, will am Golf einen der größten Petrochemie-Komplexe der Welt bauen. Die Essener setzen darauf, dass das Mega-Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von mehr als 60 Mrd. Dollar die Türen für weitere Abschlüsse in der Region öffnet.

Auf der Tagesordnung von Minister zu Guttenberg steht außerdem die Gründung der deutsch-emiratischen Handelskammer in Abu Dhabi. Bislang gibt es nur ein Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft. Die deutsche Seite baut darauf, dass die Aufnahme arabischer Unternehmer in den Vorstand die Geschäftskontakte vertieft und mögliche Aufträge beschleunigt.

Am Samstag nimmt der Wirtschaftsminister an Investitionsforum teil, das Interesse an deutscher Zukunftstechnologie wecken soll. Geladen sind die Vertreter staatlich kontrollierter Investment-Gesellschaften wie etwa Mubadala oder der Abu Dhabi Investment Council. Mubadala hat den Auftrag der Diversifizierung der Wirtschaft mit Blick auf die Nach-Öl-Ära. Es ist stark an erneuerbaren Energiequellen interessiert, vor allem aus dem Bereich der Photovoltaik. Der Wirtschaftsminister wird unter anderem Kronprinz Mohammed treffen, einer der Macher im Emirat Abu Dhabi und gleichzeitig Vorsitzender von Mubadala. Auch ein Gespräch mit seinem Amtskollegen Sultan Al Mansouri ist geplant. In Riad wird zu Guttenberg verschiedene Mitglieder der Regierung sprechen.

Nach dem Bekanntwerden der Reisepläne war in Deutschland spekuliert worden, zu Guttenberg wolle bei arabischen Staatsfonds Interesse für einen Einstieg beim angeschlagenen Autobauer Opel wecken. „Das ist keine Opel-Reise“, heißt es im Ministerium. In den vergangenen Wochen kristallisierte sich heraus, dass die Scheichs weniger ein Auge auf Opel geworfen hatten. Nach dem Kauf von 9,1 Prozent der Daimler-Anteile durch den Staatsfonds Aabar rückten vielmehr die Premium-Hersteller auf den Radar. So hat der katarische Premier und Chef des Staatsfonds „Qatar Investment Authority“ die Prüfung eines Deals mit Porsche angedeutet. Auch BMW sei ein interessantes Anlage-Objekt, heißt es in arabischen Investmentkreisen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%