Reinhard Selten ermöglichte die praktische Anwendung der Spieltheorie in der Ökonomie
Spielend zum Nobelpreis

Reinhard Selten ist der erste Deutsche, der den Nobelpreis für Ökonomie verliehen bekam. Was für andere der Tag des größten persönlichen Triumphes ist, war für Selten jedoch eine Qual: Der in Breslau geborene Ökonom steht nicht gern im Rampenlicht.

BERLIN. „Man sagt den Wirtschaftswissenschaftlern doch zwei Ambitionen nach: entweder durch Spekulation reich zu werden oder die Regierung zu beraten. Ich habe beides nicht versucht, ich sehe mich als Grundlagenforscher“, sagte er nach Bekanntgabe der Entscheidung im Oktober 1994.

Selten erhielt den Nobelpreis zusammen mit John Nash und John C. Harsanyi für seine Arbeiten zur Spieltheorie – wobei Nash die Grundlage für die Arbeit der beiden anderen gelegt hatte. Nashs außerordentlich viel versprechende Karriere wurde allerdings schon im Alter von 29 Jahren abrupt gestoppt. Mehr als 20 Jahre lang litt er unter schwerer Schizophrenie, kam in Kliniken, verlor Freunde, Familie und seine Arbeit und wanderte am Ende nur noch wie ein Gespenst über den Campus von Princeton. Erst als 50-Jähriger überwand er die Krankheit.

Wer nicht Mathematiker oder Ökonom ist, der kann auf Anhieb mit der Spieltheorie wenig anfangen. Dabei ist sie durchaus alltagstauglich: Wenn wir Kinder ein Stück Wurst so teilen lassen wollen, dass keines das andere übervorteilen kann, lassen wir ein Kind schneiden und das andere auswählen. Beide Teilnehmer zielen darauf ab, möglichst gut „abzuschneiden“, dabei erzielen sie zugleich die optimale Lösung für alle. Der spieltheoretische Begriff „Nullsummenspiel“ hat es sogar in die Umgangssprache geschafft. Damit ist gemeint, dass der Gewinn des einen der Verlust des anderen ist.

Mit Nullsummenspielen begann die formalisierte Spieltheorie. John von Neumann und Oskar Morgenstern, zwei vor den Nazis in die USA geflohene deutschsprachige Wissenschaftler, entwickelten sie in ihrem 1944 erschienenen Werk „Spieltheorie und ökonomisches Verhalten“. Sie schufen als Erste ein mathematisches Modell für die Strategien von Personen mit unterschiedlichen Interessen.

Seite 1:

Spielend zum Nobelpreis

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%