Reise verschoben
Annan schießt scharf zurück

Im Streit um den Haushalt der Vereinten Nationen für 2006/2007 hat UN-Generalsekretär Kofi Annan Forderungen der US-Regierung ungewöhnlich scharf zurückgewiesen. Washington verlangt von den UN, zuerst die überfällige Reform zu verwirklichen und anschließend den Haushalt zu verabschieden.

HB NEW YORK. „So läuft das nicht bei den UN“, sagte Annan am Freitag in New York. „Die vorrangige Aufgabe der Vereinten Nationen ist nicht Reform, sondern die Erfüllung ihrer Mandate“. Die Organisation lebe von den Beiträgen ihrer Mitgliedsländer und müsse diesen jeweils zum Jahresende klar machen, wie viel Geld sie von ihnen braucht.

Dagegen hatte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton kurz zuvor verlangt, dass „der Haushalt von der Reform bestimmt werden sollte und nicht umgekehrt“. Bolton stritt vor Journalisten ab, dass Washington plant, seine UN-Beiträge zurückzuhalten, sollten die UN der amerikanischen Forderung nicht folgen. Im Gegenteil, sagte Bolton, seine Regierung werde den Vereinten Nationen demnächst einen Scheck über 300 Mill. Dollar (256 Mill. Euro) geben. Von dem regulären Etat der UN trägt Washington 22 Prozent, Japan gut 19 und Deutschland knapp zehn Prozent.

Annan hatte in der Nacht zum Freitag eine zweiwöchige Reise nach China, Südkorea, Japan, Hongkong und Vietnam kurzfristig abgesagt, um im Streit über den Haushaltsplan zu vermitteln. Er hatte im Rahmen der Tour an der bevorstehenden Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Hongkong teilnehmen und speziell in China und Vietnam über Vorkehrungen gegen eine globale Vogelgrippe-Pandemie sprechen wollen.

Bolton erklärte vor der Presse, dass Annan die Reise auf seine Empfehlung hin verschoben habe. Annans Sprecher wies das jedoch entschieden zurück. Die USA wollen, dass sich die UN bis zur Verwirklichung der Reform mit einem Übergangshaushalt zufrieden geben. Dieser könnte den UN nach Angaben ihres Finanzchefs Warren Sach aber schon im ersten Quartal 2006 ein Minus von 320 Mill. Dollar einbringen und sie zwingen, Programme einzusparen, Stellen zu streichen und die Gehälter zu kürzen.

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