Reportage
Das neue Gesicht der Hamas

Die Straße im Flüchtlingslager „Beach Camp“ nahe Gaza-Stadt ist so eng, dass zwei Autos nicht aneinander vorbeikommen. In diesem drittgrößten Sammelbecken von palästinensischen Flüchtlingen leben 80 000 Menschen, zusammengepfercht auf weniger als einem Quadratkilometer.

GAZA. Auf vielen Dächern wehen die grünen Hamasfahnen. In den schäbigen Gärten türmt sich der Abfall, an unverputzten Hauswänden hängen Bilder von palästinensischen Selbstmordattentätern, die bei ihren blutigen Aktionen umgekommen sind und hier als Märtyrer verehrt werden.

So sieht sie aus, die Heimat von Ismail Hanija, dem designierten Premier der radikal-islamischen Hamas. Sie hat im Januar bei den Parlamentswahlen der Palästinenser die absolute Mehrheit erhalten, und Spitzenkandidat Hanija ist nun damit beauftragt, die neue Regierung zu bilden.

Der bärtige, hoch gewachsene Mann verbrachte bis vor kurzem den größten Teil seiner Zeit in Verstecken, aus Angst, Opfer einer gezielten Tötung durch Israel zu werden. Seine Organisation, die Hamas, wird für mehr als 60 Selbstmordanschläge gegen Israelis verantwortlich gemacht. Die USA und die EU stufen sie als Terrorgruppe ein.

Jetzt aber, seit den Wahlen, ist Hanija sozusagen gezwungen, immer öfter seine Deckung zu verlassen. Denn seit ein paar Wochen gehört er zu den begehrtesten Interviewpartnern im Nahen Osten, fällt ihm doch als voraussichtlichem Premier im Ringen um die Zukunft der Region eine Schlüsselrolle zu.

Ein Gespräch bei Hanija mit Voranmeldung ist aber weiterhin nicht möglich. Er hat noch kein Büro, in dem er Gäste empfangen kann, keine Sekretärin, die seine Agenda führt, keinen Stab, der ihn vorbereitet.

Bislang hatte erst ein ausländischer Journalist der „Washington Post“ in der vergangenen Woche das zweifelhafte Vergnügen, 40 Minuten mit ihm sprechen zu dürfen, allerdings mit dürftigem Erfolg. Denn das weltweit verbreitete Zitat Hanijas, „ein stufenweiser Frieden mit Israel ist möglich, wenn Israel das 1967 besetzte Gebiet verlässt“, wurde von der Hamas prompt dementiert: Hanija sei falsch übersetzt worden.

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