Reportage
Endstation Flughafen

Verschärfte Sicherheitsregeln erschweren das Reisen in die USA. Das gilt für Touristen ebenso wie für Geschäftsreisende. Eine weitere Komplikation: Deutsche werden anders behandelt als Polen. Schluss damit, fordert die EU und will sich beim EU-USA-Gipfel am heutigen Mittwoch dafür einsetzen.

ATLANTA. Die alte Dame ist seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen. Ihre Reise hat am Vortag in Südafrika begonnen. Jetzt ist sie endlich in Atlanta gelandet. Irgendwo dort, am Ende einer langen, steilen Rolltreppe, warten ihre Tochter und ihre Enkel, die sie noch nie gesehen hat. Doch vor der Begrüßung muss die Dame noch die Einwanderungsschleuse passieren. Ein Grenzbeamter winkt sie zu sich heran, zieht ihren Pass durch den Scanner – und zögert. Sein Computer meldet: Die Dame habe vor Jahren ihr Besuchervisum um drei Tage überschritten.

Eine Erklärung dafür hat sie nicht, sie kann sich nicht einmal mehr daran erinnern. Sie zeigt dem Beamten Fotos ihrer Familie, ihr Rückflugticket nach Kapstadt. Doch das Gesetz kennt keine Gnade. Die alte Dame wird ihre Tochter nicht sehen. Der US-Urlaub ist vorbei, bevor er begonnen hat. Sie muss den nächsten Flug in Richtung Heimat nehmen.

Endstation Flughafen – das kann beim Einreisen in die USA inzwischen häufiger passieren. Genaue Zahlen über solche Fälle gibt es allerdings nicht. Fest steht nur: Nach dem 11. September 2001 hat das Land seine Sicherheitsbestimmungen deutlich verschärft. Der Wunsch nach größtem Schutz vor neuen Terroranschlägen hat einen Regularienwirrwarr erzeugt und die Einreise umständlicher gemacht.

Das gilt auch für Touristen aus EU-Ländern, die zudem auch noch unterschiedlich behandelt werden. Polen brauchen ein Visum, Deutsche nicht. Und auch Amerikaner können ohne Visum in die EU einreisen. Schluss mit dieser Ungleichheit, fordert die EU schon seit längerem und will sich dafür auch beim EU-USA-Gipfel heute in Wien einsetzen.

„Dies ist die Zeit von ,Null Toleranz’ in der Einwanderungspolitik“, sagt Teri Simmons, Anwältin in der Kanzlei Arnall Golden Gregory in Atlanta, die sich auf das Thema Einwanderung spezialisiert hat. „Ein Vermerk im Computer der amerikanischen Grenzbehörden klebt an einem für den Rest des Lebens.“

Nach einer verschärften Verordnung für die Visavergabe gilt als Verbrecher, wer die auf dem Visum vermerkte Aufenthaltsfrist auch nur um einen einzigen Tag überschreitet: Ihm kann, je nach Ermessen der Grenzbeamten, der Aufenthalt in den USA für zehn Jahre oder gar für alle Zeiten verwehrt werden. Das kann zudem strafrechtliche Konsequenzen haben. Dies gilt auch für Touristen, die mit dem Programm für Visumsbefreiung – im Fachjargon Visa Waiver – in die USA einreisen und maximal 90 Tage bleiben können, Deutsche unter anderem.

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