Reporter schmuggelt sich in Buckingham Palast
Sicherheitslücke bei Bush-Besuch in London

Tausende von Polizisten, Hunderte US-Agenten, Scharfschützen auf den Dächern und Straßensperren konnten nicht verhindern, dass sich ein Mann mit gefälschten Papieren in den Buckingham Palast einschlich. „Wenn ich ein Terrorist gewesen wäre mit der Absicht, die Queen oder Bush umzubringen, hätte ich dies mit Leichtigkeit tun können“, schreibt der 26 Jahre alte Reporter Ryan Perry am Mittwoch im „Daily Mirror“.

HB LONDON. Perry konnte sich nach den Angaben vor zwei Monaten, im Vorfeld des Staatsbesuchs, mit einem gefälschten Zeugnis eine Anstellung als Diener in dem Palast verschaffen. Bereits am ersten Tag bekam er einen Sicherheitspass und eine Uniform, die ihm ungehinderten Zugang zu jedem Raum verschafften. Der Reporter belegte dies in seiner Zeitung mit Fotos aus dem Schlafzimmer des US-Präsidentenpaares oder vom Frühstückstisch von Königin Elizabeth II. „Dies zeigt die schockierende Unfähigkeit im Kern der größten Sicherheitsoperation, die jemals in Großbritannien stattfand“, hieß es in der Zeitung.

Innenminister David Blunkett sagte, Premierminister Tony Blair habe eine umfassende Überprüfung der Sicherheit im Buckingham Palast angeordnet. Dabei werde „nichts unter die Decke gekehrt“. Eine Sprecherin der Londoner Polizei Scotland Yard war nach dem Vorfall zunächst sprachlos. Aber noch am Mittwochmorgen gab es bereits ein Krisengespräch zwischen dem Palast und Scotland Yard.

In dem Blatt hieß es, der Diener Perry hätte am Mittwochmorgen Mitgliedern der US-Delegation wie Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice und Außenminister Colin Powell das Frühstück servieren sollen. Der Reporter hatte nach dem Bericht den Buckingham Palst jedoch bereits am Dienstagabend verlassen - nachdem Bush und dessen Frau Laura dort eingetroffen waren.

Beispiellose Sicherheitsoperation

Für den bis Freitag dauernden Staatsbesuch war eine für die britische Insel beispiellose Sicherheitsoperation unter Beteiligung von insgesamt 14 000 Polizisten angelaufen, um den US-Präsidenten vor Terroristen zu schützen. Kritiker hatten von Hysterie gesprochen. Die amerikanischen Sicherheitskräfte hatten vor dem Besuch sogar gefordert, mit eigenen Hubschraubern über der Stadt zu kreisen und wollten kugelsicheres Glas im Palast der Queen einbauen. Scotland Yard aber antwortete, alles sei unter Kontrolle.

Doch Sicherheitspannen im britischen Königshaus hat es bereits mehrfach gegeben. So hatte sich erst im Juni der Komiker Aaron Barschak (36) ohne jedes Problem als Osama bin Laden verkleidet auf eine Geburtstagparty von Prinz William Party auf Schloss Windsor einschleichen können. 1982 drang der arbeitslose Michael Fagan ins Schlafgemach von Königin Elizabeth II. vor und setzte sich zu ihr auf die Bettkante. 1994 landet ein nackter Fallschirmspringer auf dem Dach des Buckingham-Palastes. Im Jahr 2002 klopfte ein Betrunkener an die Zimmertür von Prinzessin Anne an, um sie nach dem Weg zum Bahnhof Victoria zu fragen.

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