Rezession
Italiens Wirtschaft versinkt in Pessimismus

Schlechte Stimmung macht sich in Italien breit: Die Wirtschaft steckt weiter tief in der Rezession. Im Juni senkten die Unternehmen ihre Produktion stärker als erwartet. Die Verbraucher halten ihr Geld zusammen.
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RomItaliens Wirtschaft steckt ungeachtet aller Reformbemühungen weiter tief in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte zwischen April und Juni bereits das vierte Quartal in Folge, wie das Statistikamt Istat am Dienstag mitteilte. Der Rückgang fiel mit 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal stärker aus als erwartet. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur ein Minus von 0,6 Prozent erwartet. Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark gesunken wie seit drei Jahren nicht mehr.

Ein Grund für die Schwäche ist die sinkende Nachfrage nach italienischen Waren im In- und Ausland. Die Industrie fuhr ihre Produktion im Frühjahr deshalb um 1,7 Prozent nach unten. Auch die Verbraucher halten angesichts der Krise ihr Geld zusammen: Der Einzelhandelsverband geht davon aus, dass 2012 die Konsumausgaben pro Kopf so stark fallen werden wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Kampf gegen die Schuldenkrise hat die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti Ende 2011 Sparmaßnahmen von mehr als 20 Milliarden Euro durchgesetzt - vor allem Steuererhöhungen.

Zu den bisher beschlossenen Maßnahmen hat Italiens Regierung heute eine Vertrauensabstimmung im Parlament über zusätzliche Einsparungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro gewonnen. 403 Abgeordnete sprachen sich am Dienstag im Abgeordnetenhaus für die Maßnahmen aus, die beim Abbau des Defizits helfen sollen, 86 stimmten dagegen. Abschließend soll über die Vorlage am Nachmittag befunden werden.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti hatte die Vertrauensfrage gestellt, um die Sparmaßnahmen noch vor der Sommerpause durch das Parlament bringen zu können.

Italiens Schuldenberg entspricht 123 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist er noch höher. Der Staat muss deshalb Zinsen von etwa sechs Prozent für zehnjährige Anleihen bezahlen. Auch italienische Firmen müssen für Kredite ähnlich hohe Zinsen zahlen. Sie halten sich deshalb bei Investitionen zurück.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört Italien zu den am langsamsten wachsenden Ländern Europas - unter anderem wegen der enormen Bürokratie und einem starren Arbeitsmarkt. Der Internationale Währungsfonds sagt der drittgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone für 2012 einen Konjunktureinbruch um knapp zwei Prozent voraus. Der Industrieverband Confindustria befürchtet sogar ein Minus von 2,4 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rezession: Italiens Wirtschaft versinkt in Pessimismus"

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  • "Damit hatte ja wirklich keiner gerechnet" - sagte Monti mit einem unterdrückten Grinsen im Gesicht am Montag der Presse.


  • "Wenn die italienischen Arbeiter und Angestellten genauso eine grottenschlechte Performance aufs Parkett legen, wie ihre Vortänzer Monti und Draghi, sollte der Absturz der ital. Wirtschaft nicht verwundern!" - Was ist denn das für ein dekadent-geschmackloser Schnösel, der sowas schreibt! Das ist GENAU DIE DEUTSCHE ART, die die Italiener nicht mögen!!

  • Wenn die italienischen Arbeiter und Angestellten genauso eine grottenschlechte Performance aufs Parkett legen, wie ihre Vortänzer Monti und Draghi, sollte der Absturz der ital. Wirtschaft nicht verwundern!

    Der eine, dieser demente Monti, nicht einmal demokratisch legitimiert, erwartet allen Ernstes, dass erfolgreiche Demokratien ihre nationalen Parlamente ausschalten sollten, damit die Regierungen den klammen und korrupten Südländern (noch!) schneller die Kohle rüberreichen können. Und der andere, der Draghi, Goldman-Sachs-Lügner der ersten Stunde, der Griechenland mit getürkten Zahlen den Beitritt ermöglicht hat, will die EZB zur Spielhölle verkommen lassen.

    In allen europäischen Institutionen haben ab sofort keine Südländer mehr etwas zu melden, wenn es einigermaßen solide mit dem Euro weitergehen soll! Hören Sie zu, Herr Barroso?!

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