Rückkehr in den Irak
Kopfschütteln über Osthoff-Pläne

Kaum in Freiheit, hat sich Ex-Geisel Susanne Osthoff den Zorn des politischen Berlins zugezogen: Ihre Ankündigung, ihre Arbeit als Archäologin im Irak fortsetzen zu wollen, löst bei Union und SPD Verwunderung und Ärger aus.

HB BERLIN. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: „Nach intensiven Anstrengungen vieler Beteiligter über drei Wochen, die schließlich zu ihrer Freilassung führten, hätte ich wenig Verständnis, wenn Frau Osthoff sich erneut in eine Gefahrensituation begeben würde.“ Bereits am Wochenende hatte ein Sprecher des Auswärtigen Amts angekündigt, Deutschland werde keine Projekte mehr unterstützen, die mit einem Aufenthalt Osthoffs im Irak verbunden wären.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), sagte: „Ich bedauere, dass Frau Osthoff dem dringenden Appell der Bundesregierung, nicht in den Irak zurückzukehren, nicht folgt. Gerade sie müsste das Risiko einer solchen Entscheidung deutlich vor Augen haben.“

Der SPD-Außenexperte Niels Annen nannte eine Entscheidung Osthoffs zur Rückkehr in das Land unvorstellbar. Die Wissenschaftlerin solle die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes Ernst nehmen. „Denn wenn jemand um deren Berechtigung weiß, dann wird sie das am ehesten sein.“

Umfrage: Haben Sie für Susanne Osthoffs Entscheidung Verständnis?

Zur eigenen Familie hat Susanne Osthoff noch keinen Kontakt aufgenommen. Die Mutter der Archäologin, Ingrid Hala, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, sie warte seit der Freilassung noch immer auf einen Anruf ihrer Tochter. Bruder Robert Osthoff soll es laut der Berliner Zeitung „B.Z.“ begrüßen, wenn seine Schwester wieder in den Irak zurückkehren würde. „Es muss doch noch Menschen geben, die den Leuten dort unten helfen. Der Irak muss wieder aufgebaut werden.“

Noch kein Anruf bei der Mutter

Osthoff war im Irak in kulturwissenschaftlichen und humanitären Projekten engagiert. Sie wurde Ende November im Norden des Landes entführt, kam nach 23 Tagen wieder frei und war dann an einen unbekannten Ort außerhalb des Iraks gereist, um abgeschieden von der Öffentlichkeit einige Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen.

Osthoff ist eigenen Worten zufolge von ihren Entführern gut behandelt worden, weil sie Moslemin sei. „Sie sagten „Frau Susanne, wir wissen, dass sie eine Freundin des Iraks sind'“, erklärte Osthoff am Montag dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira. Es war ihr erstes Interview nach der Freilassung. Die Entführer hätte ihn erklärt, sie aus „politischen Gründen“ verschleppt zu haben. Die Kidnapper hätten kein Geld gewollt, sondern die Förderung humanitärer Projekte wie etwa den Bau von Schulen oder Krankenhäusern in den sunnitischen Regionen des Iraks, so Osthoff.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%