Rücktritt von Präsident Musharraf
Bombenanschlag überschattet Nachfolgersuche in Pakistan

Einen Tag nach dem Rücktritt des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf wird nun um die Zukunft des Landes gerungen. Es gibt allerdings auch neue Opfer zu beklagen. In der pakistanischen Stadt Dera Ismail Khan explodierte eine Bombe.

HB PESHAWAR/ISLAMABAD. Bei einem Bombenanschlag auf ein Krankenhaus in Dera Ismail Khan sind am Dienstag nach Angaben der Stadtverwaltung mindestens 20 Menschen getötet worden. "Wir wissen nicht, ob es ein Selbstmordattentat war. Die Bombe ging auf dem Krankenhausgelände hoch. In ersten Berichten ist von 20 Toten die Rede", sagte Syed Moshin Shah von der Verwaltung der im Nordwesten des Landes gelegenen Stadt. Zur Zeit des Anschlags demonstrierten Anhänger eines erschossenen Schiitenführers vor dem Hospital. Seine Leiche war in das Krankenhaus gebracht worden.

Die anhaltende Gewalt militanter Islamisten erhöht die politische Unsicherheit in Pakistan nach dem Rücktritt von Musharraf. Ihm gelang es in den vergangenen Jahren nicht, trotz umfangreicher militärischer Offensiven den Islamisten Einhalt zu gebieten. Die Regionen an der Grenze zu Afghanistan gelten als Hochburgen von Taliban und Al Kaida. In den vergangenen Wochen kam es zu schweren Kämpfen in diesem Gebiet, bei denen hunderte Menschen getötet wurden. Rund 200 000 sollen vor den Kämpfen geflohen sein.

Derweil haben Spitzenpolitiker der Regierung Beratungen über die politische Zukunft des Landes aufgenommen. Nach Angaben von Justizminister Farooq Naek von der Volkspartei (PPP) soll es bei den Gesprächen in Islamabad auch um die Wiedereinsetzung der mehr als 60 Richter gehen, die Musharraf nach Verhängung des Ausnahmezustands im vergangenen Herbst entlassen hatte. Die Entscheidung könnte noch im Laufe des Tages fallen, sagte der Minister. Ein Sprecher der Muslim-Liga (Nawaz/PML-N) erklärte, die Richter würden "heute oder morgen" auf ihre Posten zurückkehren.

Nach Regierungsangaben wollen die Koalitionspartner auch über einen Nachfolger für Musharraf diskutieren. PPP-Chef Asif Ali Zardari hatte angedeutet, dass das künftige Staatsoberhaupt aus den Reihen des großen Koalitionspartners, also seiner Partei, kommen müsse. Die Amtsgeschäfte führt zurzeit der Vorsitzende des Oberhauses, Muhammadmian Soomro, als Übergangspräsident.

Musharraf war am Montag zurückgetreten. Mit dem freiwilligen Rückzug kam der ehemalige Armeechef einem Verfahren zur Amtsenthebung zuvor, das die aus seinen politischen Gegnern zusammengesetzte Regierungskoalition gegen ihn eröffnet hatte. Unter anderem werfen ihm seine Gegner in der Regierung einen Bruch der Verfassung vor. Der 65-Jährige gab seinen Schritt in einer vom Fernsehen direkt übertragenen Rede bekannt. "Ich möchte das Land vor einer weiteren Krise bewahren", sagte er zur Begründung. Musharraf hatte sich im Jahr 1999 unblutig an die Macht geputscht. Unklar ist weiterhin, ob Musharraf, wie von pakistanischen Medien berichtet, ins Ausland ins Exil gehen wird.

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