Russisches Militär in Syrien
Die halbstarke Supermacht

Minenwerfer, Schützenpanzer, schwere Lastenfahrzeuge: Russland hat seine militärischen Aktivitäten in Syrien drastisch erhöht. Neben außenpolitischen Ambitionen treiben den Kreml dabei auch innenpolitische Ängste.
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Moskau„Russland hat nie ein Geheimnis aus der militärisch-technischen Zusammenarbeit mit der Syrischen Arabischen Republik gemacht. Unser Land liefert Syrien in Übereinstimmung mit bilateralen Verträgen seit langem Waffen und Militärtechnik“, erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa, nachdem die jüngsten Rüstungslieferungen ruchbar wurden: Neben Schusswaffen wurden dabei mehreren übereinstimmenden Berichten nach auch Minenwerfer, Schützenpanzer vom Typ BTR-82A und schwere Ural-Lkw auf dem See- und Luftweg angelandet.

Leugnen, einräumen, herunterspielen: Die Taktik des Kremls bei der Informierung der Öffentlichkeit über seine Aktivitäten in Syrien erinnert an die Vorgänge in der Ukraine, wo es die Wahrheit ebenfalls zumeist scheibchenweise gab, wenn die Gegenseite schon darüber berichtet hatte. Der russische Nahostexperte Alexej Malaschenko jedenfalls fühlte sich an das Krim-Szenario erinnert, „wo es zunächst keine russischen Soldaten gab, dafür aber hinterher der Kreml das Vorhandensein ‚höflicher Menschen‘ auf der Halbinsel einräumte“.

Die Geheimhaltung der syrischen Aktivitäten ist deshalb verwunderlich, weil Moskau selbst kürzlich noch die Notwendigkeit einer Großen Koalition im Nahen Osten gegen den Islamischen Staat betont hat und auch versuchte, die notwendige Unterstützung dafür zu bekommen, die syrische Armee und die Kurden als Bodentruppen des Anti-Terrorkampfs anzuerkennen. Präsident Baschar al-Assad wäre damit zum Verbündeten des Westens gekürt worden, was sowohl im arabischen Raum als auch in Washington auf wenig Gegenliebe stieß.

Der Alleingang ist Indiz dafür, dass Moskau seine diplomatische Offensive als gescheitert betrachtet. Da aber weder der gesamte Umfang der Lieferungen noch der angebliche Einsatz russischer Soldaten bekannt ist – bislang wird in Moskau lediglich von vereinzelten „Militärberatern“ gesprochen –, bleiben auch die strategischen Ziele des Kremls in der Region noch halb verschwommen. Klar ist: Ein Engagement wie in Afghanistan in den 80er-Jahren kann und will sich Russland nicht leisten.

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  • Erfahrene Politiker der "Alten Schule" hätten das Syrien-Problem in Geheimverhandlungen längst gelöst:

    Putin unterstützt Giftgas-Assad nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil der ihm eine Basis für die Russische Mittelmeerflotte stellt.

    Diese Basis ist vom IS akut bedroht.

    Wenn die Flotte auf das nur wenige Kilometer entfernte Nicht-NATO-Land Zypern verlegt würde, in dem sich ohnehin viele reiche Russen angesiedelt haben, würde Putin Assad wie eine heiße Kartoffel fallen lassen.

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