Russland
Die Provinz probt den Aufstand gegen Putin

Die russische Opposition steht bei der Wahl im kommenden Jahr vor einem aussichtslosen Kampf gegen Präsident Putin. Doch sie stößt an unerwarteten Orten auf Unterstützung: in verschlafenen Provinzstädtchen wie Wyksa.
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WyksaIm Friseursalon „Image“ werden die Kunden nicht nur vom lauten Summen der Föns begrüßt, sondern auch von Wahlplakaten des beliebtesten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny. „Nawalny 2018: Vertraut dem Volk und überlasst nicht Moskau das Sagen“, ist darauf zu lesen.

Der 41-jährige Kandidat erhält die meiste Unterstützung bislang von Intellektuellen und Jugendlichen in den Großstädten Moskau und St. Petersburg. In der Provinz und in Industriestädten quer über die elf Zeitzonen Russlands dagegen erreicht Präsident Wladimir Putin 80 Prozent Zustimmung.

Daher nimmt Nawalny jetzt Anlauf auf die riesigen ländlichen Regionen. Der Oppositionskandidat für die Präsidentenwahl im März kommenden Jahres eröffnete dort Wahlkampfbüros in Dutzenden Städten und Ortschaften. An einigen Orten wie in Wyksa starten seine Anhänger an der Basis eigene Initiativen.

Wyksa ist mit seinen 53.000 Einwohner so klein, dass es nicht einmal einen Bahnhof, geschweige denn einen Flughafen hat. Ihren relativen Wohlstand verdankt die 300 Kilometer östlich von Moskau gelegene Stadt ihren Stahlwerken, die Pipelines für den Gasmonopolisten Gazprom herstellen. Doch die hiesigen Unternehmer befürchten zunehmend, dass Putins aggressive Außenpolitik, die bereits dem Rubel und der Konsumnachfrage schwer zugesetzt hat, ihre Existenz ruiniert.

In Moskau und St. Petersburg wird Nawalnys Kampagne getragen von jungen Trendsettern, die mit Einkaufstaschen mit seinem Namen darauf unterwegs sind und Youtube-Kanäle verfolgen, die außerhalb des staatlichen Fernsehens seine Botschaften verbreiten.

In Wyksa dagegen sitzen zwei selbstständige Männer mittleren Alters – der Geschäftsmann Wjatscheslaw Burmistrow und der Anwalt Igor Kakonin – in einem Büro neben dem Friseurladen und beraten darüber, wie sie gegen ein örtliches Verbot vorgehen können, das Wahlwerbung für ihren Kandidaten untersagt. Die Stadtverwaltung hatte das Verbot im Juli mit der Begründung erlassen, der Wahlkampf habe noch nicht offiziell begonnen. Anhänger Nawalnys gingen vor Gericht dagegen vor und unterlagen. Jetzt warten sie auf eine Möglichkeit, Berufung einzulegen.

Nawalny darf aufgrund von Schuldsprüchen in mehreren Betrugsprozessen bis 2021 kein öffentliches Amt anstreben. Er hat die Vorwürfe gegen sich als erfunden bezeichnet. Im Staatsfernsehen wird er aber noch immer als Verbrecher dargestellt. Seine Chancen, Putin zu entmachten, sind denkbar gering. Schließlich kontrolliert der Präsident nicht das staatliche Fernsehen, sondern genießt auch den starken Rückhalt der Regionalgouverneure und verfügt über gewaltige finanzielle Ressourcen.

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Ein Kampf, wo kein Kampf möglich scheint

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