Russland
Putin stoppt Vereinbarungen mit US-Militär in Syrien

„Aggression gegen das Völkerrecht“, „erdachter Vorwand“: Die Reaktion des Kremls auf den US-Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis ist scharf. Das Verhältnis von Putin und Trump bekommt eine größere Bedeutung.
  • 3

MoskauDer russische Präsident Wladimir Putin hat das US-Bombardement gegen syrische Regierungstruppen als Angriff auf die Souveränität Syriens verurteilt. „Präsident Putin hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt.

Ähnlich äußerte sich die iranische Regierung. Der einseitige Schritt sei „gefährlich, destruktiv und verstößt gegen die Prinzipien des internationalen Rechts“, sagte der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghasemi am Freitag laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Isna. Der Angriff werde Terroristen stärken und die Situation in Syrien und der gesamten Region noch komplizierter machen, sagte er. Der Iran gilt neben Russland als der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Irans paramilitärische Revolutionsgarde ist tief in den Krieg in Syrien verstrickt.

Russland setzt nun zudem die Vereinbarung mit dem US-Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen in Syrien aus. Mit der Vereinbarung informierten Russland und die USA einander bislang über Militärflüge und Angriffe über Syrien. Das Außenministerium kündigte auch an, Moskau werde eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates einberufen. Das „völlig gedankenlose Vorgehen“ der USA habe die Syrienkrise nur vertieft, hieß es in einer Mitteilung. Die bestehenden Probleme würden dadurch verschärft. Der Schlag habe sich gegen ein Land gerichtet, das sich gegen Terrorismus engagiere. Mit dem Vorfall müsse sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung befassen.

Der Vorsitzende im Außenausschuss des Oberhauses des russischen Parlaments, Konstantin Kosatschew, erklärte, der US-Angriff beende wahrscheinlich die Hoffnungen auf eine amerikanisch-russische Kooperation in Syrien. „Russische Marschflugkörper treffen die Terroristen, US-Flugkörper treffen die syrischen Regierungskräfte, die den Kampf gegen die Terroristen anführen“, schrieb er auf Facebook.

Beipflichtende Worte kamen dagegen von den Verbündeten der USA. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er unterstütze die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zu dem Angriff vollkommen. Trump habe in Wort und Tat die deutliche Botschaft gesendet, dass der Gebrauch und die Verbreitung von Chemiewaffen nicht toleriert werde, schrieb Netanjahu in einer Mitteilung am Freitag. Nach Angaben des TV-Senders Channel 2 waren Israel und weitere US-Alliierte über den Angriff informiert worden.

Israel hatte mehrfach gewarnt, dass von Syrien aus Waffen an die Hisbollah im Libanon geliefert werden könnten. Die Miliz steht im Syrischen Bürgerkrieg an Assads Seite. Im vergangenen Monat hatte Israel eine Rakete abgeschossen, die ein israelisches Flugzeug treffen sollte, das wiederum einen mutmaßlichen Hisbollah-Konvoi im Visier hatte.

Unterstützung bekamen die USA von auch von Großbritannien. Das Vorgehen sei eine angemessene Antwort auf den „barbarischen Chemiewaffenangriff“ der syrischen Regierung, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May. Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault sprach von einer Warnung an ein „kriminelles Regime“. Die Zukunft Syriens sei nicht mit Assad verbunden.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, die Regierung Assads müsse auf der internationalen Ebene bestraft werden. Scharfe Kritik kam aus dem Iran. Solche Angriffe würden Terroristen in Syrien stärken und die Lage in dem Bürgerkriegsland und der Region schwieriger machen, berichtete die Nachrichtenagentur Insa unter Berufung auf einen Sprecher des Außenministeriums in Teheran.

Australien hieß den US-Angriff ebenfalls gut. Seine Regierung unterstütze die schnelle und angemessene Reaktion der USA, sagte Premierminister Malcolm Turnbull am Freitag in Sydney. „Das war eine kalibrierte, verhältnismäßige und gezielte Antwort. Sie sendet eine starke Botschaft an das Assad-Regime und (...) hat genau den Flugplatz getroffen, von dem der chemische Angriff erbracht wurde“, sagte er. Man befinde sich jedoch nicht im Krieg mit Assad.

Saudi-Arabien lobte die „mutige Entscheidung“ Trumps. Dies sei die richtige Reaktion auf „die Verbrechen dieses Regimes an seinem Volk“ gewesen, erklärte das saudische Außenministerium.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Russland: Putin stoppt Vereinbarungen mit US-Militär in Syrien "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Putin kann doch kein Mensch mehr ernst nehmen. Hintenrum unterstützt er einen gefährlichen Irren wie Trump - vornerum verbreitet er Dementis en Masse. Putin sollte als gesichtsloser Spion wieder in irgend einem Hinterzimmer sein Geheimdienst-Süppchen kochen, aber sich aus der ernsthaften Politik heraushalten.

  • Wer glaubt, dass mit einer Beseitigung Assads Ruhe in Syriehn einkehrt, glaubt vermutlich auch den Weihnachtsmann und den Klapperstorch.

  • Putin sollte sein Engagement in Syrien nicht nur kündigen, sondern seine Truppen von dort schnellstens zurückziehen.

    Dann kann Trump mit Drohnen unbehindert und erfolgreich Jagd auf den Folterer Assad machen, auf dass in Syrien wieder endlich Ruhe einkehrt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%