Russlands WTO-Beitritt
„Wir lassen unsere Unternehmen nicht fallen“

Nach 18 Jahren Verhandlung ist Russland Mitglied der Welthandelsorganisation. Viele Unternehmen seien dennoch nicht auf Wettbewerbsdruck eingestellt, räumt Handelsminister Manturow ein - und kündigt Anpassungshilfen an.
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MoskauHandelsblatt: Herr Manturow, Russland tritt der WTO bei – nach 18 Jahren Verhandlungszeit. Bis zuletzt wirkte es, als wolle Russland nicht wirklich Mitglied werden. Warum?
Denis Manturow: Schwierigkeiten gab es vor allem in der letzten Phase, als wir die genauen Bedingungen und wirtschaftlichen Folgen des Beitritts verhandelt haben. Einige Unternehmen und Wirtschaftsverbände hatten Vorbehalte. Doch die Regierung glaubt, dass dieser Schritt positiv ist für unser Land. Mehr als 150 Staaten sind Mitglied der WTO. Daran kann man sehen, dass diese mehr Vor- als Nachteile bringen muss.

Russland hofft auf neue Investitionen aus dem Ausland. Aber gerade kühlt die weltweite Konjunktur ab. Kommt der WTO-Beitritt zu einem ungelegenen Zeitpunkt?
Vermutlich wird das Investitionsvolumen zunächst geringer sein, aber auch westliche Unternehmen wollen sich diversifizieren und weiter expandieren. Sie wollen etwa in die Automobilbranche oder in die Pharmaindustrie unseres Landes investieren. Dort wächst die Binnennachfrage. Der russische Automarkt ist der zweitgrößte Europas, in wenigen Jahren werden wir die Nummer eins sein.

Welche Vorteile bringt der Beitritt für russische Unternehmen?
Durch den Abbau von Barrieren wird unsere Wirtschaft profitieren. Russische Firmen bekommen einfacheren Zugang zu internationalen Märkten. Zum Beispiel die Metallindustrie. Sie hat in der Vergangenheit wegen Handelsschranken pro Jahr 1,5 bis zwei Milliarden Dollar verloren. Wir bekommen nun die gleichen Rechte wie andere WTO-Mitglieder, dadurch können sich unsere Unternehmen besser auf dem internationalen Markt behaupten.

Viele russische Unternehmen werden es schwer haben auf internationalen Märkten – wenige Unternehmen sind international konkurrenzfähig.
In der Metallindustrie und der Chemiebranche ist das anders. Diese Industrien sind bereits privatisiert. Dort haben Firmen in den vergangenen Jahren viel Geld in die Modernisierung investiert und sind wettbewerbsfähig. Sie können jetzt die Vorteile des WTO-Beitritts genießen, sobald Diskriminierungen gegen russische Unternehmen abgebaut werden. Wir erwarten natürlich auch Einfluss auf andere Branchen.

Aber was ist mit den Firmen, die der Konkurrenz aus dem Ausland nicht gewachsen sind?
Viele Unternehmen sind im Moment noch nicht bereit, Konkurrenz Stand zu halten, das stimmt. Aber Konkurrenz ist immer gut, denn sie verbessert die Qualität – und davon profitieren die Kunden. Viele Unternehmen brauchen jedoch eine Übergangsphase und Unterstützung vom Staat, damit sie sich modernisieren und vorbereiten können. Zum Beispiel durch Subventionen wie günstige Kredite für die Wiederaufrüstung der Unternehmen. So können sich Firmen auf die neue Konkurrenzsituation einstellen.

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  • Der Aussage das russische Unternehmen nicht wettbewebsfähig sind stimme ich zu. Hier wurde in den letzten 20 Jahren zuwenig getan um eigene Industrie anzuregen. Fachkräfte sind zudem Mangelware und wurden in den letzten 20 Jahren dezimiert. Nur wenige wurden intensiv ausgebildet - Viele haben eher Berufe ergriffen die das schnelle Geld versprachen oder sind in Ausland abgewandert.

    Ohnehin ist ein Großteil der Waren bereits Importware. Wenn man durch Supermärkte schlendert muss man schon aufpassen auch mal ein russisches Produkt zu finden. Ich wickle seit einiger Zeit Projekte in Russland ab. Der Aussage von Rafl kann ich nicht zustimmen - vielleicht war dieser auch noch nicht längere Zeit in Russland um die Lage objektiv bewerten zu können.

  • Wer aus dem Westen, außer die Konzerne, will nach Russland gehen. Bei der herrschenden Korruption, den willkürlichen Präsidentengesetzen, einer Schnellschußduma wird es westlichen Unternehmern vergehen, auch nur ein paar Euro zu investieren. Wer öffentliche Meinungsäußerung über Kanzler und Präsidenten gewöhnt ist, der wird sich nicht duckmäusernd verhalten wollen in Russland. Dann bleibt er lieber gleich weg und investiert in Polen. Außerdem sind die lebensverhältnisse in Russland nicht geeignet, dass man gesund und gesichert leben kann. Russlands Ruf ist durch das Pussy Riot Urteil schwer geschädigt. Da gebe ich keinen Fünfer aus und so denken viele Menschen.

  • was immer man von der udssr auch halten mag: sie war ein industrieland und nicht nur ein rohstoffexporteur.

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