Sachalin-Projekt
EU streitet über Haltung zu Russland

Der Griff des Kremls nach dem Sachalin-Projekt von Shell löst int Politik und Wirtschaft Sorge aus – nur nicht in Deutschland. Die Bundesregierung lehnt ein schärferes Vorgehen der Europäischen Union gegen Russland wegen Moskaus protektionistischer Energiepolitik ab. In Europa ist Deutschland mit dieser Haltung zunehmend isoliert.

BRÜSSEL. Deutschland habe Russland als vertragstreuen Energielieferanten kennen gelernt, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling dem Handelsblatt. Die Bundesregierung sei sicher, dass dies so bleiben werde und der Konflikt um das Öl- und Gasförderprojekt Sachalin 2 lösbar sei.

Die russische Regierung hatte am Montag einem westlichen Konsortium unter Führung von Royal Dutch Shell die umweltrechtliche Genehmigung für Sachalin 2 entzogen und damit den Fortgang der 15,6 Mrd. Euro teuren Investition akut gefährdet. Hintergrund ist der Versuch, den staatlichen russischen Gasmonopolisten Gazprom nachträglich in das Projekt zu drücken. Die EU-Kommission sowie die britische und die japanische Regierung protestierten vehement gegen das Vorgehen Moskaus. Neben der britisch-niederländischen Shell sind zwei japanische Unternehmen an Sachalin 2 beteiligt.

Die Bundesregierung ist allerdings mit ihrer vorsichtigen Haltung zur russischen Energiepolitik zunehmend in Europa isoliert. Eine wachsende Zahl von Mitgliedsstaaten fordert, dass die EU auf ihrem Gipfeltreffen am 20. Oktober im finnischen Lahti gegenüber Russlands Präsident Wladimir Putin deutlich ihr Missfallen bekundet. Putin ist dort als Gast zum Abendessen geladen, ein zentrales Thema des Gipfels wird Europas Energieversorgung sein. Die Sicherheit der Investitionen westlicher Energiekonzerne in Russland und die Verlässlichkeit der russischen Lieferverträge würden dabei eine große Rolle spielen, sagte ein Vertreter der finnischen EU-Ratspräsidentschaft. Nach Informationen des Handelsblatts schlägt Finnland vor, Putin auf dem Gipfel eine energiepolitische Petition zu überreichen.

Russland ist der größte Gaslieferant der EU. Für Unruhe in Europas Hauptstädten sorgte jüngst die Ankündigung Putins, sein Land wolle in zehn Jahren ein Drittel der Energieexporte nach Asien verkaufen, insbesondere an China. Die EU fürchtet, Russland könne seinen Energiereichtum als politisches Druckmittel einsetzen, um Zugeständnisse auf anderen Feldern zu erreichen, etwa bei dem von Putin angestrebten Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO. Untermauert werden diese Sorgen durch strategische Bündnisse, die Russland mit anderen wichtigen Energielieferanten der EU zu schmieden versucht. So schloss Gazprom unlängst mit dem staatlichen algerischen Energiekonzern Sonatrach ein weit reichendes Kooperationsabkommen. Algerien ist die Nummer drei unter Europas Gaslieferanten und war bisher der große Hoffnungsträger der EU bei der Suche nach Alternativen zu dem ungeliebten Lieferanten Russland.

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