Sarkozy in Davos
„Wir werden den Euro niemals aufgeben“

Drohende Staatspleiten in der Europäischen Union zeigen, wie krisenanfällig der Euro ist. Frankreichs Staatschef Sarkozy schwört trotzdem auf die Gemeinschaftswährung. Dabei liegen deren Konstruktionsfehler auf der Hand.
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Davos/DüsseldorfFrankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat sich demonstrativ hinter den Euro gestellt. „Wir werden dem Euro niemals den Rücken kehren, wir werden den Euro niemals aufgeben“, sagte Sarkozy am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Am zweiten Tag des Forums, zu dem bis Sonntag rund 2500 Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft erwartet werden, stand die wirtschaftliche Unsicherheit trotz der nun fast überall überwundenen Finanzkrise im Mittelpunkt. Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono unterstrich, dass Rohstoffknappheit und Hunger eine Gefahr für die Weltwirtschaft darstellen. Für Freitag (28.1.) hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Davos angesagt.

Sarkozy erteilte jeder Spekulation, die auf eine Aufgabe des Euro hinauslaufe, eine Absage. „Der Euro buchstabiert Europa“, betonte der Staatspräsident. Er könne dabei auch für Merkel sprechen. Frankreich und Deutschland hätten drei barbarische Kriege hinter sich. „Jetzt ist Europa der stabilste Kontinent der Welt“, sagte Sarkozy. „Wir lassen niemals zu, dass der Euro abgeschafft oder zerstört wird.“

Jacques Delors, der als Präsident der EU-Kommission Ende der 80er-Jahre die Europäische Währungsunion auf die Startrampe gebracht hat, machte indessen auf "zwei Konstruktionsfehler" der Gemeinschaftswährung aufmerksam. Der eine ist für ihn die fehlende Koordinierung der Wirtschaftspolitiken, der andere die "Verquickung zwischen den 17 Mitgliedstaaten der Wirtschafts- und Währungsunion und den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union". In einem Gastkommentar für das Handelsblatt schreibt Delors, dass Länder mit einer einheitlichen Währung deutlich größere Rechte und Pflichten hätten als diejenigen, die nur der EU angehören.

Für den Franzosen steht fest, dass die Eurokrise vermeidbar gewesen wäre. Der Bericht des nach ihm benannten Komitees über die EWU habe schon 1989 unterstrichen, dass es ein Gleichgewicht zwischen Geld- und Wirtschaftspolitik geben müsse. Mit einer funktionierenden Koordinierung der Wirtschaftspolitiken hätte die EU-Kommission seit Ende der 90er-Jahre auf die Stabilitätsrisiken hingewiesen, die sich "aufgrund der beginnenden Immobilienblasen und der Exzesse der privaten Verschuldung" aufbauten. Umso wichtiger sei es nun, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen und eine "entschlossenere und überzeugendere Governance" zu schaffen. Notfalls müsse die Eurozone sich dafür auch neue Institutionen schaffen.

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