Satire-Affäre in der Türkei
Erdogan-Anhänger schießen zurück

Der türkische Präsident hat scharf auf ein deutsches Satirevideo reagiert – und dafür harte Kritik einstecken müssen. Nun bekommt er Unterstützung: Von einem neuen Hashtag mit dem Namen #WeLoveErdogan.

DüsseldorfIn der Satire-Affäre hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Unterstützung erhalten: Neuerdings gibt es das Hashtag #WeLoveErdogan. Und der Spruch ist durchaus nicht ironisch gemeint: Erdogan-freundliche Twitternutzer teilten darunter ihre Sympathien, Gedanken und Wünsche. Anlass ist die fünftägige USA-Reise des türkischen Präsidenten. Mehr als 200.000 Tweets wurden bis Mittwochnachmittag über den Hashtag geteilt.

Die Erdogan-Anhänger schrieben im Hashtag Sätze wie „Benim Ülkem, benim liderim“ (Mein Land, mein Anführer), „Türkiye daima liderinin arkasinda duracak“ (Die Türkei wird immer hinter ihrem Anführer stehen) oder „Milleti icin gece gündüz calisan lider“ (Ein Anführer, der Tag und Nacht für seine Nation arbeitet). Auch ein stellvertretender Ministerpräsident, der Justizminister Bozdag, Außenminister Cavusoglu und einige AKP-Funktionäre twitterten unter dem Hashtag. Manche machten sich aber auch darüber lustig. Wer den Hashtag ins Leben gerufen hat, war zunächst unklar.

Erdogan hatte in den vergangenen Tagen viel Kritik, aber auch Spott geerntet – unter anderem von der Bundesregierung und der EU-Kommission. Der Grund war seine scharfe Reaktion auf ein deutsches Musikvideo gewesen, das den Präsidenten und seine Politik auf die Schippe nimmt. Aus Empörung darüber war der deutsche Botschafter Erdmann schon vor einer Woche vom türkischen Außenministerium einbestellt worden. Dabei verlangte die Regierung einem türkischen Diplomaten zufolge sogar die Löschung des Beitrags. All das dürfte der Popularität des Songs genutzt haben – zumal der NDR es mittlerweile mit englischen und türkischen Untertiteln versehen hat.

Die NDR-Sendung „extra 3“ hatte in der vergangenen Woche ein zweiminütiges Musikvideo mit dem Titel „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ veröffentlicht und ins Netz gestellt. „Ein Journalist, der was verfasst, das Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast“, lautet eine Zeile. Neben der Einschränkung der Pressefreiheit werden dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan in dem Lied auch eine erbarmungslose Niederschlagung des Kurdenaufstandes und ein hartes Vorgehen gegen Frauen vorgeworfen.

In der Türkei ist der Satiresong bisher Beobachtern zufolge kein großes Thema – weder in den türkischen Medien noch in sozialen Netzwerken. Das könnte daran liegen, dass die türkische Presse traditionell eher nach innen als nach außen gerichtet ist.

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