Saudi-Arabien wachte erst auf, als das Land 2003 selbst Zielscheibe von Anschlägen wurde
Saudis bekämpften Terror zu spät

Es ist nur zwei Wochen her, dass sich die US-Senatoren unangenehme Wahrheiten über ihren Verbündeten Saudi-Arabien anhören mussten. „Es ist eine Tatsache“, sagte der Experte für den Mittleren Osten des Washingtoner Think Tanks Brookings, Kenneth Pollack, „dass ein Teil der saudischen Gesellschaft den sunnitischen Dschihad gegen die USA unterstützt“.

BERLIN. Es ging bei der Anhörung um die Sicherheit im Irak. Und am Ende musste sich die Politik eingestehen, dass sie bei allen Bemühungen im Anti-Terror-Kampf nur zentimeterweise vorankommt. „Amerikanische und ausländische Geheimdienste sind davon überzeugt, dass viel mehr Kämpfer über Saudi-Arabien in den Irak eingeschleust werden, als bisher angenommen“, sagte der Experte Pollack weiter.

Ausgerechnet Saudi-Arabien: Aus dem Land stammen 15 der 19 Attentäter des 11. September 2001. Außerdem rühmte sich Saudi-Arabien viele Jahre exzellenter Beziehungen zu den USA. Legendär ist der hemdsärmelige Stil, mit dem saudische Politiker, vor allem Botschafter Prinz Bandar bin Sultan, im Weißen Haus aus- und eingingen. Das ölreiche Herrscherhaus der al Sauds aus Riad genoss eine Vorzugsbehandlung wie keine andere Dynastie dieser Welt. Bis zum Tag der Anschläge in New York und Washington. Doch selbst da gewährte man potenziellen saudischen Verdächtigen noch eine Gunst: Sie durften in den Stunden nach den Anschlägen unbehelligt, aber mit Wissen der US-Geheimdienste Amerika verlassen.

Erst mit den Anschlägen wurde deutlich, welcher Art die Beziehungen zwischen Riad und Washington waren - und welche Folgen sie haben können. Aggressive US-Kolumnisten wie Daniel Pipes werden seither nicht müde, der US-Regierung Unterwürfigkeit und eine „Kultur der Korruption“ zu unterstellen, wenn es um Saudi-Arabien geht. Richtig daran ist, dass es die Saudis nie den Pakt mit den Extremisten in ihrem Land nachhaltig gebrochen haben. Viel zu spät haben sie mit der Bekämpfung des Terrorismus begonnen. So lange der Terror „nur“ exportiert wurde, kümmerten sich die Herrscher nicht um das Problem. Aufgewacht ist Saudi-Arabien erst, als das Land 2003 selbst Zielscheibe vom Terrorismus wurde.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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