Schadstoffausstoß
Schwellenländer geben Klima wenig Hoffnung

Ja zur Begrenzung der Erderwärmung, Nein zur Halbierung des weltweiten Schadstoffausstoßes. Beim G8-Gipfel in L'Aquila zeigten sich die wichtigsten Schwellenländer in Klimafragen erstmals kompromissbereit. Doch ein umfassendes Klimaschutzabkommen sieht anders aus. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte denn auch, dass die Klima-Anstrengungen nicht ausreichten.

HB L'AQUILA. Beim G8-Gipfel in L'Aquila wollen erstmals wohl auch die wichtigsten Schwellenländer einer Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad zustimmen. Allerdings lehnten die angehenden Wirtschaftsmächte der G5-Gruppe es weiterhin ab, sich wie die acht großen Industrieländer zu einer Halbierung des weltweiten Schadstoffausstoßes bis 2050 zu bekennen, verlautete am Donnerstag aus G8-Kreisen. US-Präsident Barack Obama sah dennoch die Chance, noch in diesem Jahr zu einem umfassenden Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012 zu kommen. Dagegen kritisierte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die G8-Staaten gingen mit ihren Anstrengungen nicht weit genug.

In Gesprächen mit ihren Kollegen aus den großen Schwellenländern versuchten die Staats- und Regierungschefs der G8 den Streit abzumildern, wer sich in welchem Umfang zur Emissionsabsenkung verpflichten muss. Ziel ist es, im Dezember bei einer Weltklimakonferenz in Kopenhagen verbindliche Ziele für die Zeit nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls festzulegen. Als einen Zwischenschritt auf dem Weg dahin wird nun das gemeinsame Bekenntnis gesehen, die Erderwärmung in den kommenden Jahren im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Wie das erreicht werden soll, ist aber weiterhin unklar.

Bislang verweigern sich die Schwellenländer, auf das Ziel der Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 einzuschwenken. Sie sehen zunächst die Industrieländer gefordert und wollen von diesen nicht nur konkrete, sondern auch weitgesteckte Reduktionsziele sehen. Allerdings haben die Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel signalisiert, dass auch sie allgemein bereit seien, zu mehr Klimaschutz beizutragen.

Obama sagte am zweiten Gipfeltag in L'Aquila, er sehe Chancen, die Meinungverschiedenheiten zwischen Industrie- und Schwellenländern bis Kopenhagen zu verringern. Das habe der US-Präsident in einem bilateralen Gespräch mit Brasiliens Präsident Liz Inacio Lula da Silva geäußert, sagte sein Sprecher Robert Gibbs danach. Obama soll das Treffen der aus 17 Ländern bestehenden sogenannten MEF-Gruppe aus Industrie- und Schwellenländern leiten, die am Donnerstagnachmittag vor allem über das Thema Klimaschutz beraten wird. Dazu zählen neben den G8-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die USA, Kanada, Japan und Russland auch die Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika und Indonesien.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon warf den G8-Ländern vor, ihre Anstrengungen beim Klimaschutz reichten nicht aus. „Dies ist ein politischer und moralischer Imperativ und eine historische Verantwortung ... für die Zukunft der Menschheit, für die Zukunft des Planeten Erde“, sagte er. Ban forderte, die Gruppe der acht führenden Industrienationen müsse den ärmeren Ländern finanzielle Zusagen machen, damit diese sich dem Klimawandel anpassen und zu einem umweltfreundlicheren Wachstum kommen könnten.

Größere Fortschritte zwischen Industrie- und Schwellenländer wurden offenbar auch dadurch verhindert, dass Chinas Staatspräsident Hu Jintao wegen der Unruhen im Nordwesten seines Landes noch vor Beginn des Gipfels wieder abgereist war. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown äußerte die Hoffnung, dass eine Verständigung aller Länder, die in L'Aquila anwesend sind, auf das Zwei-Grad-Ziel gelinge. Dagegen beharrte Indien darauf, dass die reichen Länder auch Finanzmittel bereitstellten, um den armen Ländern bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen wie Überschwemmungen.

Erstmals veröffentlichten die Industrieländer der G8 mit den großen Schwellenländern der G5 eine gemeinsame Erklärung zu wirtschafts- und weltpolitischen Fragen. Im Entwurf ihres Kommuniques bekannten sie sich zum Kampf gegen Protektionismus. Gemeinsam wollen sie versuchen, im kommenden Jahr die langjährige Verhandlungsrunde zum Abbau von Handelshürden, die Doha-Runde, zum Erfolg zu führen. Dabei wollen sie auf den bisherigen Teilergebnissen der Runde aufsetzen. Dem Bekenntnis schlossen sich Ägypten, Australien, Indonesien und Südkorea.

Die Länder der G8 und G5 versicherten zudem, sie würden sich nicht in einen Abwertungswettlauf ihrer Währungen begeben, mit dem sie sich kurzzeitig Exporterfolge verschaffen könnten. Sie wollen vielmehr für ein stabiles Welt-Währungssystem eintreten. Über die Folgen der aktuellen Finanzkrise für Wachstum und Armut in der Welt zeigten sie sich alarmiert.

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