Scharfe Kritik an Irans Aufruf zur Zerstörung Israels
Ahmedinedschad drängt Iran in die Isolation

Nachdem der iranische Präsident Mahmud Ahmedinedschad offen die Hoffnung auf eine Vernichtung Israels ausgedrückt hat, droht Iran international noch stärker zu isolieren. Bislang hatten die Offiziellen in Teheran zumindest versucht, unnötige Kritik des Westens zu vermeiden.

HB TEHERAN. Eigentlich bewegen sich jedoch in Sachen Israel alle iranischen Offiziellen bis hin zum geistlichen Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, auf der gleichen Wellenlänge. Und ab jetzt können die Behauptungen Irans, sein umstrittenes Atomprogramm werde nur friedlichen Zwecken dienen, auch schwer zu rechtfertigen sein, wenn der Präsident offen auf die Vernichtung eines Landes hofft, das innerhalb der Reichweite iranischer Raketen liegt.

Auch der sonst so kompromisslose Khomeini-Nachfolger Chamenei weiß, dass Iran mit solcher Rhetorik auf eine stärkere Isolierung zusteuert, besonders wenn es kurz davor steht, wegen seines Atomprogramms vor den Weltsicherheitsrat gebracht zu werden. „Jegliche Politik sollte gut überdacht sein. Ich werde jedenfalls dafür sorgen, dass es so sein wird“, mahnte Chamenei. Er bezog sich damit auf die ungestüme Wortwahl und von vielen Iraner als abenteuerlich angesehene Politik Ahmedinedschads, der auch im Atomstreit den westlichen Ländern klar und deutlich vermittelt hat, dass sie nichts zu sagen haben.

Vor den Präsidentenwahl in Iran im vergangenen Juni war ein Treffen zwischen dem gemäßigten Spitzenkandidaten Akbar Haschemi- Rafsandschani und dem Botschafter der Schweiz, der die Interessen der USA in Iran vertritt, eine der wichtigsten Entwicklungen. Rafsandschani soll gesagt haben, dass Teheran den Westen nicht nur im Irak, sondern auch im Nahostkonflikt „konstruktiv“ zur Seite stehen würde, falls Washington seine feindselige Politik gegenüber Iran aufgibt. Danach kamen Hoffnungen auf, dass Iran auch beim Kampf gegen Islamismus positiv mitwirken würde.

Als einer der engsten Vertrauten des religiösen Führers Chamenei hätte Rafsandschani mit seiner neuen Nahostpolitik auch auf die Unterstützung des Establishments zählen können. Und dies besonders, da die Zukunft des umstrittenen iranischen Atomprogramms auch von einer Revision der bislang kompromisslosen iranischen Politik gegenüber dem Erzfeind Israel abhing.

Aber nicht Rafsandschani, sondern der 48-jährige Hardliner Mahmud Ahmadinedschad setzte sich bei den Wahlen durch und wurde Nachfolger des reformorientierten Mohammad Chatami. Mit der Wahl des außenpolitisch unerfahrenen Ahmadinedschad rückte die erhoffte Mäßigung der iranischen Nahostpolitik in weite Ferne. Rafsandschani habe die Wahlen verloren, meinte Ahmadinedschad, weil der auf bessere Beziehungen zu den USA gesetzt habe. Wie er zu Israel steht, machte der neue Präsident jetzt drastisch klar: Zunächst warnte er diejenigen islamischen Führer, die Israel anerkennen wollen, dass sie „im Feuer des islamischen Völker verbrennen“ werden. Danach artikulierte er die Hoffnung, dass die Prophezeiung des verstorbenen Revolutionsführers Ajatollah Ruhollah Khomeini wahr wird, nämlich dass der „Schandfleck“ (Israel) bald aus der islamischen Welt getilgt wird.

Seite 1:

Ahmedinedschad drängt Iran in die Isolation

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%