Schengen-Abkommen
Dänen machen mit Grenzkontrollen ernst

Zum Ferienbeginn haben dänische Zöllner mit umstrittenen Grenzkontrollen begonnen. Die Aktion schlägt Wellen: die EU sieht das Schengener Abkommens verletzt, deutsche Politiker empfehlen alternative Urlaubsziele.
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Kopenhagen/Frøslev Begleitet von scharfen deutschen Protesten haben dänische Zöllner mit den umstrittenen neuen Grenzkontrollen begonnen. Beamte traten am Dienstagmorgen zunächst am Autobahn-Grenzübergang Frøslev-Ellund (deutsch Fröslee) bei Flensburg sowie an zwei Grenzübergängen zu Schweden in Aktion. Sie sollen durch Stichproben den Schmuggel von Drogen, Waffen und großen Geldmengen wirksamer als bisher unterbinden. Die dänische Regierung hat versichert, dass die gerade jetzt in Massen anreisenden deutschen Sommerurlauber keine Behinderungen befürchten müssten.

In der „Bild“-Zeitung (Dienstag) forderte Hessens Europaminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) einen Urlaubs-Boykott wegen der neuen Kontrollen. Hahn sagte: „Wenn Dänemark zur Urlaubszeit wieder Grenzkontrollen einführt, kann ich nur dazu raten, auf der Stelle umzudrehen und lieber in Österreich oder Polen Urlaub zu machen.“ Dies sei aber nicht als „Boykott“ zu verstehen, stellte Hahn später klar. Er empfehle deutschen Urlaubern einen Bogen um Dänemark zu machen. „Ich habe Verständnis dafür, wenn Urlauber nicht im Stau stehen wollen“, sagte der hessische Minister.

Zum Start der neuen Kontrollen am größten deutsch-dänischen Autobahnübergang kam der Präsident der Dänischen Europa-Bewegung, Erik Boel, aus Protest mit einer Europa-Flagge. „Das ist ein Signal gegen die europäische Idee“, kritisierte Boel. „Frühere Generationen haben für diese Idee gearbeitet. Was wir brauchen, ist ein grenzenloses Europa.“ Dänemarks Zollbehörde hat für die Stichproben-Kontrollen zunächst 30 zusätzliche Beamte an der Grenze zu Deutschland und 20 an der zu Schweden abgestellt. Die Bemannung soll später verdoppelt und durch elektronische Überwachungseinrichtungen sowie neue Zollgebäude ergänzt werden.

 Hahn kündigte in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ (Aarhus) einen Dringlichkeitsantrag Hessens für die nächste Europaminister-Konferenz der Bundesländer an. Die Konferenz solle das Vorgehen Dänemarks ausdrücklich missbilligen und die Bemühungen der Bundesregierung nach einem schnellen Sinneswandel der dänischen Regierung unterstützen, erklärte der Minister.

Hahn meinte in dem dänischen Blatt weiter, die europäischen Partner machten sich große Sorgen, ob Dänemark weiterhin ein verlässlicher Partner der Union sei. Der FDP-Politiker sagte: „Die Reisefreiheit gehört zu den sichtbarsten Errungenschaften Europas. Wer sich daran vergreift, insbesondere noch in der Urlaubszeit, legt die Axt an der Europäischen Idee an.“ Dänemarks für den Zoll zuständiger Steuerminister Peter Christensen nannte Hahns Kritik „ziemlich schräg“. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er: „Ein Aufruf zum Urlauberboykott ist doch einfach hysterisch. Ich weiß nicht, ob deutsche Wähler so einem schrägen Politiker hinterherlaufen.“ Man müsse den Verdacht haben, dass Hahn von der konkreten Ausformung der Grenzkontrollen keine Ahnung habe.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • margrit117888;
    Sie haben überhaupt nichts verstanden. Keiner beklagte sich über in Europa einfallende Vikinger. Diese Zeiten sind gottlob vorbei und werden definitiv nicht mehr kommen, dafür sorgt allein schon die derzeitige demoskopische Entwicklung in Dänemark. Nein, nur die bodenlose Frechheit dieses Zwergenstaates, sich über alle EU-Verträge hinweg zu setzen, die nervt ungemein.

  • So wie ich das verstehe, ist die dänische Regierung der Meinung, dass die Außengrenzen der EU nicht vernünftig überwacht werden.
    Ich stimme der dänische Regierung da VOLL und GANZ zu. Man beachte in diesem Zusammenhang die Kabbeleien zwischen Frankreich und Italien, als es um die nordafrikanischen Flüchtlinge auf Lampedusa ging.
    Das ausgerechnet der hessische Europaminister (wahrscheinlich wieder so ein unerträglicher bonulo) jetzt zum Urlaubsboykott gegen Dänemark aufruft, löst bei mir nur Lachkrämpfe aus.
    Abgesehen davon: Wozu braucht ausgerechnet Hessen einen Europaminister?

  • Sicher war’s, als wir noch den Eisernen Vorhang hatten.

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