Schon wieder Dänemark
Moslems sind erzürnt über neue Mohammed-Karikaturen

Vor einem dreiviertel Jahr hatten zwöf in einer dänischen Zeitung verbreitete Mohammed-Karrikaturen wütende Proteste in der islamischen Welt ausgelöst, bei der Dutzende Menschen starben. Nun sorgt ein dänisches Video mit bewusster Verhöhnung des Propheten für neue Proteste.

HB KOPENHAGEN/KAIRO. Islamische Organisationen in Indonesien sowie die ägyptische Moslembruderschaft forderten am Wochenende zu Protest- und Boykottaktionen auf. Das dänische Fernsehen hatte am Freitag ein heimlich gefilmtes Video über einen „Wettstreit“ der Jugendorganisation der Dänischen Volkspartei (DVP) gezeigt, bei dem es darum ging, wer den Propheten Mohammed in der „erniedrigendsten Weise“ zeichnen könne. Dänemarks rechtsliberaler Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen arbeitet mit der DVP parlamentarisch eng zusammen und ist von ihr als Mehrheitsbeschafferin abhängig.

In dem Video, das aus dem August stammt, war Mohammed unter anderem als urinierendes Kamel und als volltrunkener Bombenleger dargestellt. Der außenpolitische DVP-Sprecher Søren Espersen sagte dazu: „Das ist doch klasse. Wir können lächerlich machen, wen wir wollen. Ob es nun Mohammed, Jesus, Buddha oder unsere Vorsitzende ist.“

Die größte dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte die Veröffentlichung von zwölf Mohammed-Karikaturen gegen das im Islam geltende Abbildungsverbot des Propheten vor einem Jahr damit begründet, dass auch Muslime sich daran gewöhnen müssten, wie alle anderen „verspottet, verhöhnt und lächerlich gemacht“ zu werden. Vier Monate später entbrannten in der islamischen Welt massive Straßenproteste, bei denen mehr als 50 Menschen starben.

Ebenfalls am Wochenende wurde bekannt, dass 66 prominente Dänen führende DVP-Politiker wegen rassistischer Hetze angezeigt haben. Sie legten dazu auch Zitate von Parteichefin Pia Kjærsgaard vor, die im vergangenen Jahr über muslimische Zuwanderer in Dänemark unter anderem geäußert hatte: „Tausende und Abertausende Menschen, die sich ganz offensichtlich auf einem zivilisatorischen, kulturellen und geistigen Niveau des Jahres 1005 statt 2005 befinden.“

Boykott-Aufrufe gegen Dänemark

Das iranische Außenministerium erklärte, Teheran werde bei den Botschaftern Dänemarks und Finnlands, das derzeit den EU-Ratsvorsitz hat, Protest einlegen. Auch die iranische Botschaft in Kopenhagen verurteilte die dänische Regierung wegen des „den Islam und den Propheten beleidigenden Videos“.

Die ägyptische Moslembruderschaft forderte einen neuen Boykott dänischer Waren und rief alle Muslime dazu auf, „ihre Entrüstung zu zeigen, aber bewusst und bedacht“. Nach den Mohammed-Karikaturen und den Papst-Äußerungen zum Islam künde „die Wiederholung solcher Akte nur von der tief sitzenden Feindschaft, welche einzelne westliche Länder gegen den Islam und seinen Propheten hegen“, hieß es in einer in Kairo verbreiteten Stellungnahme. Die Moslembruderschaft, die in Ägypten eigentlich verboten ist, aber von der Regierung toleriert wird, gilt als einflussreichste Vereinigung des politischen Islams. Sie hat Ableger in vielen islamischen Ländern.

Der Vorsitzende des indonesischen Rats Geistlicher erklärte am Sonntag, das Video sei eindeutig beleidigend. Es zeige die Intoleranz dänischer Politiker und „die Unfähigkeit der dänischen Regierung, ihr Volk daran zu hindern, den Islam zu erniedrigen“, sagte der Vorsitzende Amidhan weiter. Auch Din Syamsuddin, der Vorsitzende der zweitgrößten muslimischen Gruppe in Indonesien, Muhammadiyah, sagte, seine Organisation bedauere „die wiederholte Erniedrigung des Islams“ in Dänemark.

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