Schuldenkrise
Die fünf Mythen der Griechenland-Rettung

Vor fünf Jahren spannten die Euro-Staaten einen Rettungsschirm über Griechenland auf. Bis heute ist der Mittelmeerstaat das Sorgenkind der Währungsunion. Doch die Hilfe für Athen wird begleitet von vielen Fehlwarnungen.
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Berlin/AthenDer Mai 2010 war für Europa ein dramatischer Monat. In einer Nachtsitzung Anfang Mai schnürten die Regierungschefs und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Hilfspaket über 110 Milliarden Euro für Griechenland. Da sich die Lage an den Finanzmärkten nicht beruhigte, verhandelten sie zwischen dem 8. und 10. Mai 2010 erneut in einer dramatischen Sitzung und spannten den Euro-Rettungsschirm EFSF auf.

Fünf Jahre ist das nun her. Aber Griechenland ist noch immer das Sorgenkind der Währungsunion. Doch die Hilfe für Athen wird seitdem begleitet von vielen Fehlwarnungen. Die fünf Mythen aus fünf Jahren Griechenland-Rettung.

1. Es wurde nur den Banken geholfen

Die Behauptung von Gregor Gysi und der Linkspartei, dass angeblich 90 Prozent der europäischen Griechenlandhilfen nur Banken zugutekamen, wird durch ständige Wiederholung nicht richtig. Von den 144,5 Milliarden Euro des zweiten Hilfspakets wurden 37,3 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung von Banken aufgewendet, also 26 Prozent. Beim ersten Hilfspaket waren es sogar nur knapp zehn Prozent von 53 Milliarden Euro. Diese Zahlen nennt das Bundesfinanzministerium in der Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage des SPD-Europapolitikers Joachim Poß.

Die Hilfen an den griechischen Staat ersetzen dort teilweise Anleihen, die dieser sonst von Banken und anderen Finanzinstituten hätte aufnehmen müssen. Aber die Hilfe besteht ja gerade darin, Griechenland übergangsweise günstiger zu finanzieren als es die Märkte tun. Zudem: Ohne funktionsfähige Banken, die Kredite an Unternehmen und Bürger vergeben, bricht jede moderne Wirtschaft zusammen. Die Bankenrettung war deshalb nach der Finanzkrise sowohl in Deutschland als auch weltweit richtig und notwendig, um Jobs, Spareinlagen und Einkommen zu sichern.

2. Die Griechen haben nicht gespart

Nicht gespart? Da würden nicht nur die Griechinnen und Griechen protestieren, deren Realeinkommen seit Beginn der Krise um durchschnittlich 35,4 Prozent gefallen sind. Auch die Finanzminister der vergangenen Jahre haben kräftig gespart. Das Haushaltsdefizit ging von 15,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2009 auf 3,5 Prozent im vergangenen Jahr zurück – kein anderes Euro-Land hat eine ähnliche Konsolidierungsleistung erbracht.

Sie ist noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass die Wirtschaftsleistung, an der sich die Defizitquote bemisst, zwischen 2009 und 2014 von 237,4 auf 179,1 Milliarden Euro schrumpfte – ein Rückgang um ein Viertel. Die Haushaltsausgaben wurden von knapp 72 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf gut 56 Milliarden im vergangenen Jahr zurückgefahren. Gespart hat der Staat vor allem bei den Renten und Gehältern im öffentlichen Dienst und bei den öffentlichen Investitionen, die von 7,5 auf 1,6 Milliarden zurückgefahren wurden.

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  • Wirtschafts-Fachblatt oder "Bäckerblume" - das fragt man sich bei der kruden Argumentation in diesem Artikel. Sorry aber zu argumentieren, der deutsche Staat und damit der deutsche Steuerzahler hätte noch keine zig Milliarden endgültig verloren in Griechenland , ist schon echte Satire. Die 8 Milliarden der staatlichen KFW sind genauso unwiederbringliche Verluste für den deutschen Staat und Steuerzahler wie die 10 Milliarden der quasi verstaatlicheten HRE. Klar - Zahlungen leisten muss Deutschland dafür nicht mehr - aber nur deshalb, weil er schon vorher gezahlt hat und das Geld jetzt schon weg ist.


  • Also Entschuldigung liebes HB,
    aber wurde Euch dieser Artikel vom Politbüro diktiert?

  • Hört und lest und staunt möchte man bei diesem Artikel sagen!

    Dass noch kein Geld geflossen ist für die Hilfskredite ist zwar teilweise richtig, aber es kann jeden Moment der Fall sein! Somit muss jedes Euro-Land gewappnet sein für diesen Fall!
    Die HRE zahlte bei dem Schuldenschnitt, soweit so gut, nur der Steuerzahler musste die HRE retten, schon vergessen???

    Solange in Griechenland alles auf die anderen abgeschoben wird, kann das nie was werden! Die Steuern eintreiben ist Sache der Regierung in Griechenland! Die Ämter schneller und effektiver zu machen ist Sache von Griechenland!

    Hört doch mal die Unternehmer vor Ort! Die stöhnen über die immense Bürokratie und vor allem die Zeit. Da vergehen Jahre bis da mal etwas genehmigt wird!

    Raus aus dem Euro und kein weiteres Hilfspaket mehr, auch nicht durch die Hintertüre!

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