Schuldenkrise
Irland will sich selber helfen

Der Streit über die irische Schuldenkrise ist am Wochenende eskaliert. Während die EU die Regierung in Dublin drängt, unter den finanziellen Schutzschirm zu schlüpfen, wehrt sich der irische Finanzminister Brian Lenihan vehement, Hilfe von außen anzunehmen. Zu groß ist die Angst vor einem Verlust der wirtschaftspolitischen Souveränität des Landes.
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LONDON. Trotz des wachsenden Drucks in der EU und der Angst vor neuen Marktturbulenzen wird sich das Kräftemessen in diese Woche hineinziehen.



Irland werde es schwer haben, ohne Hilfe des von der Gemeinschaft und dem internationalen Währungsfonds bereitgestellten Rettungsfonds, der 750 Mrd. Euro beinhaltet, einen Weg aus der Vertrauenskrise zu finden, hieß es in EU-Kreisen. Ein Finanzpaket für die Insel könnte einen Umfang von 45 bis 90 Mrd. Euro erreichen. Brüssel fürchtet, dass ein neuer Kursrutsch an den Märkten die gesamte Euro-Zone destabilisiert und andere Wackelkandidaten wie Portugal und vor allem Spanien mit in den Sog der Irland-Krise gerissen werden. In der vergangenen Woche waren die Risikoprämien für irische Staatsanleihen angesichts der Staatsverschuldung und der horrenden Kosten für die Sanierung des maroden Bankensystems täglich auf neue Rekorde geschossen.

Simon Johnson, ehemaliger Chefvolkswirt des IWF, forderte Finanzminister Lenihan auf, sofort externe Hilfe anzunehmen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Lenihan betonte allerdings mehrfach, dass er nicht die Absicht habe, die EU oder den IWF um Unterstützung zu bitten. Allerdings hieß es in Dublin auch, dass die Irland-Krise beim Treffen der EU-Finanzminister am Mittwoch ganz oben auf der Agenda stehe. Die Bundesregierung erwartet so schnell kein Rettungspaket für Irland. Es lasse sich noch nicht absehen, ob Irland seine Probleme nicht doch allein lösen könne, sagte ein Regierungsvertreter. Sollten sich die Märkte allerdings nicht beruhigen, müsste der Rettungsschirm eingesetzt werden. „Wir werden Irland nicht zu einer solchen Entscheidung drängen“, hieß es in Regierungskreisen. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, dass auch Berlin Druck auf Dublin ausübe.



Trotz der Turbulenzen an den Märkten will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beim nächsten Treffen mit seinen EU-Amtskollegen weiter für den deutschen Vorschlag eines dauerhaften Krisenmechanismus in Europa werben. „Wir sollten gerade beim Thema Einbeziehung privater Gläubiger im Fall einer Staatspleite eines Euro-Landes möglichst schnell Klarheit bekommen“, sagte ein Regierungsvertreter. Der Vorstoß der Deutschen, Bondinvestoren an den Kosten der Sanierung hochverschuldeter EU-Staaten zu beteiligen, war einer der Auslöser für den Ausverkauf irischer Staatsanleihen in der vergangenen Woche.

Kommentare zu " Schuldenkrise: Irland will sich selber helfen"

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  • Die iren sind bei der Lissabon Abstimmung von der EU mit Millionen gekauft worden (war dabei) und haben dadurch ihre Unabhängigkeit verloren. Die Äusserungen der Regierung werden nur gemacht, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Die Macht des Faktischen wird den iren schwere bauchschmerzen machen.

  • na ja ist doch eigentlich logisch... der investor gibt geld und er erhält für je nach risiko zinsen...
    wenn ich mein geld in schweizer staatsanleihen anlege kriege ich 1-2% und wenn ich mutig bin dann kaufe ich iren... dann kriege ich zwar mehr zinsen aber ich trage auch ein massiv höheres risiko... punkt aus jeder investor sollte sich der risiken bewusst sein die er eingeht ansonsten soll er es bleben lassen!!!

  • es wäre wohl für alle besser :)
    Wobei ich über genau diese Lösung schon am Freitag im WSJ gelesen habe, und es mir reichlich verwegen vorkam.

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